Botschaft der christlichen Ordensleute an Scharon und Arafat

Jerusalem (Fides) – Die Ordensleute im Heiligen Land wandten sich in einer gemeinsamen Botschaft an Ariel Scharon und Jassir Arafat mit der Bitte um Beendigung des Krieges und der Kette der GEwalt. „Wir sehen keine andere Lösung", so die Ordensleute, „als die Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern." Die Botschaft soll heute nachmittag um 15.00 Uhr im Verlauf eines interreligiösen Treffens in der St. Anna-Kirche bekanngegeben werden. An dem Treffen werden auch Rabbiner, muslimische Scheichs sowie der Apostolische Nuntius, Erzbischof Pietro Sambi und der lateinische Patriarch Michel Sabbah teilnehmen. Sofort anschließend werden die Christen sich zu einem Kreuzweg versammeln (aufgrund der unterschiedlichen Osterdaten, befinden sich die Kirchen im Osten noch in der Fastenzeit). Einige Ordensleute werden bis zum Checkpoint Tantur-Bethelehm weitergehen, der weiterhin von israelischen Soldaten belagert bleibt.

Um 15.00 Uhr werden die Ordensgemeinschaften im Heiligen Land auch die Glocke läuten, um damit an das Gebet für den Frieden zu erinnern. Die Franziskaner versammeln sich seit Anfang April jeden Tag eine Stunde lang zur Anbetung in ihren Kirchen.

Es folgt der Wortlaut der Botschaft, der Fides vor der offiziellen Bekanntgabe zur Verfügung gestellt wurde:

„Erbittet für Jerusalem Frieden" (Ps 122,6)

Botschaft der Ordensleute an die politischen Verantwortlichen in Israel und Palästina

Die Liebe für dieses Land und seine Völker veranlaßt uns arabische, jüdische und internationale Ordensleute im Heiligen Land uns mit diesem bescheidenen Schreiben an Sie zu wenden.

Wir leben unter der einheimischen christlichen Glaubensgemeinschaft, die in diesem Land seit den Anfängen des Christentums präsent ist. Mit unseren Brüdern und Schwestern in Christus möchten wir den Weg der Gewaltlosigkeit beschreiten, den Er uns gelehrt hat und weiterhin hoffen, dass das Licht über die Finsternis siegen wird.

Wir lieben das jüdische Volk, seine tausendjährige Geschichte und seinen monotheistischen Glauben. Es hat uns die Bibel geschenkt und mit ihr die feste Überzeugung von der einzigartigen Würde jedes Menschen, der nach dem Abbild Gottes geschaffen wurde. Wir lehnen jede Art von Antisemitismus ab.

Wir lieben unsere muslimischen Brüder, die den einen, allmächtigen und barmherzigen Gott anbeten und gerne auf Abraham Bezug nehmen. Wir versuchen gemeinsam den respektvollen Dialog mit allen Kindern Abrahams aufzunehmen.

Wir versuchen unsere Liebe für die beiden Völker dieses Landes und unserer Solidrität mit den Ortskirchen durch unsere Einrichtungen im sozialen, medizinischen, erzieherischen und karitativen Bereich konkret umzusetzen. Unser Ziel ist es eine Brücke zwischen ihnen zu schlagen und damit Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung zu fördern. Das fortwährende Gebet für den Frieden und das Wohl aller steht im Mittelpunkt unserer religiösen Berufung.

Aufgrund der antiken und starken Bande, die diese Völker an dasselbe Land binden gibt es für uns keine andere Lösung als das Zusammenleben und die Zusammenarbeit. Aus Liebe zu Israel und Palästina schliessen wir uns mit unserer Stimme dem Ruf der ganzen Welt an, die ruft: Beendet diesen Krieg. Es ist ein Ruf der Liebe, der uns antreibt. Gewalt wird die Gewalt nicht beenden können. Allein der Friede kann allen Sicherheit schenken.

Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit; es gibt keine Versöhnung ohne gegenseitiges Vergeben. Papst Johannes paul II. erinnerte in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag zu Beginn dieses Jahres daran. Das grausame Leid, das dieses Land und seiner Einwohner kennenlernen mussten erinnern uns daran, wie dringend notwendig es ist, den Frieden jeden Tag aufzubauen. Indem wir uns auf die Schrift stützen, wissen wir, dass das Leid des Diners der ganzen Welt Heil bringen wird (Is 53,3)

Wir beten dafür, dass sich die Prophezeiung Jesajas bewahrheiten möge: „