THE VOICE OF THE LATIN PATRIARCH OF JERUSALEM
FIRST HAND DOCUMENTS FROM HIS BEATITUDE PATRIARCH MICHEL SABBAH
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 Brief  für die Fastenzeit 2001
Translated to German by  
the Benedictine Abbey Hagia Maria Sion in Jerusalem

 Brüder und Schwestern!

1. Der Friede Christi sei mit euch. Beginnen wir unser Fasten am Aschermittwoch in Erinnerung an die Passion unseres Herrn Jesus Christus, an seinen Tod und seine glorreiche Auferstehung. Er ist unser Vorbild: So wie er vierzig Tage hindurch in der Wüste von Jericho gefastet und gebetet hat, so fasten auch wir die vierzig Tage, die dem Osterfest vorausgehen. 

Jesus begann seine Predigt indem er sagte: „Kehrt um, tut Buße, denn das Reich Gottes ist Nahe.“ (vgl. Mk 1,15). Das Reich Gottes ist die Gegenwart Gottes in uns, denn er hat uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen. Das Reich Gottes ist Gott, der uns begleitet in den gegenwärtigen Herausforderungen durch die er heute unsere Geschichte konstruiert.

2. In diesen Tagen habe ich einige Pfarreien in Palästina besucht und den Gläubigen zugehört. Ich habe auch die zivile Autoritäten gehört. Ihre Worte sind jene aller Pfarreien, und Ihre Sorgen sind jene von euch allen. Die erste Sorge, die alle anderen mit einschließt, betrifft die schwierige politische Situation dieser Tage: Die blockierten Straßen, die Besatzung der Städte und Dörfer, die Arbeitslosigkeit, das fortwährende israelische Bombardement, die Zerstörung der Häuser, und zudem die verschiedenen internen Schwierigkeiten der palästinensischen Gesellschaft und der Gedanke an die Emigration. Trotz der Herausforderungen, der Sorgen, und des Gedankens der Emigration, habe ich den starken Willen gesehen, zu widerstehen und sich zu gedulden, solange, bis uns unsere Freiheit wieder zurückgegeben ist und bis sich das Bild Gottes in uns und auch in jenen, die uns unterdrücken, realisiert.

3. Was die Emigration angeht, fügen wir unsere Stimme all jenen hinzu, die geduldig sind, und wir sagen euch: Brüder und Schwester, verlasst nicht euer Land. Geduldet euch. Hier ist es, wo Gott euch gläubig sehen möchte und als Zeugen Jesu Christi, in seinem Land. Bleibt an den Heiligen Orte und um sie. Ihr seid, in diesem Land, Teil des göttlichen Geheimnisses. Versucht darüber nachzudenken und kommt dahin, Gott und den Nächsten zu sehen und versteht den Sinn unserer Präsenz gerade hier. Ihr seid zu einem schwierigen Leben gerufen: Habt den Mut dieses schwierige Leben zu akzeptieren, zu dem Gott uns ruft. Einige sagen: „Die Zukunft ist nicht klar.“ Die Zukunft hängt davon ab, was ihr heute tut, oder von dem ihr Angst habt es zu tun. Und warum sollte man es anderen überlassen, eure Zukunft zu bestimmen? Das ist eine Zeit, in der der Gläubige, in der Freiheit der Kinder Gottes sagt, was er sagen muss und konkret beiträgt an der Gestaltung seiner Zukunft, auf der soliden Basis von Frieden, Gerechtigkeit und Liebe.

4. Zudem wisst ihr, dass die Hilfe von uns selbst kommt und von unserer gegenseitigen Liebe. Der, der Not leidet, suche den auf, der in noch größerer Not steckt und gebe ihm die notwendige Hilfe mit dem Wenigen oder Vielen, das er hat. Allen die Hunger haben sagen wir: Wir wollen mit euch euren Hunger teilen und mit euch unser Brot teilen. Wir laden die Gläubigen all unseren Pfarreien, die Ordensmänner und Ordensfrauen ein, ihr Brot mit jenen zu teilen, die es notwendig brauchen, sei es, indem die Hungrigen an den Tisch geladen werden, oder indem der Caritas oder anderen wohltätigen Einrichtungen eine Geldsumme gegeben wird, die der finanziellen Aufwendung für das eigene tägliche Essen entspricht. Wir erleben einen Krieg, der uns auferlegt wurde. Wir müssen unseren Lebensstil den Gegebenheiten anpassen und uns gewöhnen sowohl an die Entbehrungen als auch an die Großzügigkeit allen Brüdern in Not gegenüber.

5. Im Hinblick auf die Häuser, die weiterhin Ziele des israelischen Bombardements sind, sagen wir den Israelis: Zerstört unsere Kirchen, aber verschont die Häuser unserer Gläubigen. Wenn ihr um jeden Preis eine Kollektivstrafe verhängen müsst, und wenn dafür Lösegeld bezahlt werden muss, die Ruhe der unschuldigen Kinder und der Familien wieder zurückzubekommen, dann opfern wir unsere Kirchen: Zerstört sie; wir finden andere Orte um zu beten und wir hören nicht auf für uns und euch zu beten. Und den militanten Palästinensern, die meinen, dass es notwendig sei, auf  Israelis inmitten bewohnter Häuser zu schießen – doch um die Ordnung klar zu nennen: verwandelt nicht die ruhigen Häuser in einen Kriegsschauplatz – auch ihnen sage ich: Gehorcht den Bestimmungen, bewahrt den Zusammenhalt der israelischen Gesellschaft und verschont die Häuser der Unschuldigen. Wir willigen ein unsere Kirchen als Lösegeld für alle Häuser zu geben, die zerstört werden sollen. Aber wir können nicht einwilligen, dass die Häuser unserer Kinder zerstört werden und dass sie gezwungen werden ihr Land zu verlassen. 

6. Wir beten in diesen Tagen und gehen auf dem Weg der Buße, um Gott zu begegnen. So sagen wir jedem Palästinenser und jedem Israeli der den Frieden liebt und die Sicherheit erbittet: Versucht mit uns Gott zu sehen. Den Israelis sagen wir: In der Vision Gottes, versucht zu sehen, dass der Palästinenser, Christ oder Muslime, nicht das Bild ist, das ihr zu sehen entschieden habt. Er ist weder ein Terrorist noch ein Mensch, der hassen und töten will.  Versucht zu sehen, dass eure Belagerung seines Landes seit 1967, die Entziehung seiner Freiheit und, heute, die Besatzung der Städte und Dörfer mit all den Leiden  die daraus folgen; versucht zu sehen, dass all dies zu dem führt, was ihr Terrorismus nennt, während es sich im Gegenteil ganz einfach handelt um den Schrei des Armen und Unterdrückten, der nach seiner Freiheit und Würde verlangt. Es gab eine Zeit, in der ihr selbst nach der Freiheit verlangt habt und den gleichen Schrei der Unterdrückung getan habt. Erinnert euch daran und seid heute gerecht. All jenes, was ihr Sicherheitsmaßnahmen nennt ist ganz einfach eine Einladung zu noch mehr Gewalt. Gebt das Land an seine Besitzer zurück, gebt ihnen ihre Freiheit wieder; hört die Stimme des Unterdrückten und Armen, denn er schreit auf zu Gott und eines Tages wird Gott ihn hören und erhören.

7. Und allen unseren Kindern die leiden sagen wir, habt Geduld. Wir erinnern euch an das schwierige Gebot der Feindesliebe: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,44f) Die Liebe ist keine Schwäche und auch keine Flucht. Sie ist die Vorstellung des Antlitzes Gottes in einem jeden Menschen, dem Palästinenser und dem Israeli. Der Israeli, der unsere Freiheit beeinträchtigt bleibt Träger des Antlitzes Gottes. Mit dieser Perspektive reinige ich mein Herz von jeglicher Rache und bitte ihn mit der Kraft des Geistes und der Wahrheit, ein Ende zu setzen  der Unterdrückung, ein Ende zu setzen der Besatzung des Landes und der Entbehrung der Freiheit.

Wir verlangen nach Gerechtigkeit und Frieden, denn Gott ist Gerechtigkeit und Frieden. Dafür beten und fasten wir in diesen Tagen, um uns von unseren Sünden zu reinigen und Mitarbeiter Gottes bei der Gestaltung unserer neuen Geschichte zu werden. Hier, in unserem Land, hat Gott sich offenbart und seine Liebe zu allen Menschen manifestiert. So bitten wir Gott uns in die Tiefe seines Geheimnisses einzuführen, um es zu sehen und zu lieben: So werden wir fähig sein, alle zusammen, ihn zu sehen in all seinen Geschöpfen und ihn zu lieben in all seinen Kindern, in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Ich bitte Gott, euch die Kraft der Geistes und der Liebe zu geben, so dass wir alle gemeinsam bereit sind, seine glorreiche Auferstehung zu erwarten. Amen.

+ Michel Sabbah, Patriarca

Jerusalem, 1. März 2001
 
 
 
 

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