THE VOICE OF THE LATIN PATRIARCH OF JERUSALEM
FIRST HAND DOCUMENTS FROM HIS BEATITUDE PATRIARCH MICHEL SABBAH
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 Weihnachtsbotschaft 2000

1. Wir feiern Weihnachten mit seiner Botschaft von Frieden dieses Jahr während wir in Zeiten des Leidens und des Fehlens von Frieden leben. Die echte Bedeutung von Weihnachten ist im Evangelium ausgedrückt, wo wir lesen: »Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist Christus der Herr« (Lk 2:10-11). Der Prophet hat ebenfalls gesagt: »Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens« (Jes. 9:5). Ein Kind ist für uns geboren, ein Retter ist uns gegeben, um Frieden und Liebe in unsere Herzen zu bringen.

2. Diese Botschaft von Frieden und Liebe ist gerichtet an die ganze Wirklichkeit, in der wir in der ganzen Region leben. Auf der einen Seite verlangt das Palästinensische Volk seine Freiheit. Auf der anderen Seite gibt es Angst vor dieser Freiheit und sie wird deshalb verweigert. Und auf Grund dieser Angst treten Tod und Zerstörung an Stelle fon Rechtschaffenheit („righteousness“), und Hass und Groll an Stelle von Liebe und Frieden. Ja, wir alle haben in diesen letzten Monaten Tod und Zerstörung erfahren: Unsere Häuser und Kirchen wurden bombardiert.

Bethlehem, das Zentrum unserer Feiern steht unter Belagerung und leidet unter Mangel und Not (auch „Hungersnot“). Seine Bewohner können die Stadt nicht verlassen, noch können Besucher sie betreten. Wir fragen ob die Bedingungen heute diese Art von Belagerung von Bethlehem und den anderen Palästinensischen Städten und Dörfern notwendig machen. Wir appellieren an die politischen Führer diese Belagerung aus Anlass der Feste des Ramadan und von Weihnachten aufzuheben, da sie in dieselbe Zeit fallen.

Unsere Feste bleiben nichtsdestoweniger eine Zeit des Gebetes und eine Quelle um uns alle zu trösten, weil wir alle in der selben Prüfung stehen. Wir bitten Gott um seine Gnade für alle Familien, die eines Menschen durch Tod beraubt wurden, für jedes zerstörte Haus, wir bitten ihn seine Gnade auszugießen in jedes Herz, das von Angst und Hass zerstört ist.

3. An diesem Fest haben wir einen Hauptwunsch: dass die Freiheit Palästinas geboren wird. In der Tat, wenn sie geboren wird, wird sie die wirkende Kraft für Ruhe, Stabilität und Rettung für uns, für die Region und für die Welt sein. Wir drängen die Führer, das wahre Bild dessen zu zeigen, wie wir in diesen Tagen leben: Es besteht nicht nur aus dem Werfen von Steinen und dem Benutzen von Gewehren. Das wesentliche Element der Situation ist folgendes: Die Palästinenser fordern ihre Freiheit. Das ist der Kern des Problems. Palästinenser leben seit 33 Jahren unter israelischer Militär-Besatzung, und sie sagen: gebt uns unsere Freiheit zurück. Wenn wir wollen, dass Frieden in dieses Heilige Land und in die Region zurückkehrt, muss auf diesen Appell gehört werden.

4. Vor Gott denken wir über unsere Leiden nach. Wir sehen auf jedes menschliche Wesen in unserem Land, welche Religion es auch hat, denn jedes menschliche Wesen ist gleichermaßen von Gott, seinem Schöpfer geliebt. Deshalb ist er der Gegenstand unserer Liebe und Sorge. Wir sehen auf die Palästinenser, und wir wünschen ihnen, dass sie ihre Freiheit wiedererlangen und es erreichen, dass die militärische Besatzung, die ihnen auferlegt ist, aufhört. Wir sehen auf die Israelis, denn die Freiheit der Palästinenser bedeutet ihre eigene Sicherheit und Ruhe. Wir sehen auf die politischen Gefangenen, deren Tage in Entbehrung, Folter und Hungerstreiks vorübergehen. Wir sehen auf die, die Befehle zum Töten erhalten und die diese Befehle ausführen, wie auch auf die, die diese Befehle zum Töten geben. Zu den Soldaten sagen wir: Gebt der menschlichen Würde und dem, was recht ist, Vorrang (Priorität) vor den Befehlen, die ihr erhaltet; Denn es sollte keine Befehle zum Töten mehr geben. Und Kriege sollten nicht mehr existieren: Das bedeutet die Anerkennung und die Wiederherstellung der Rechte des Volkes. So wird es für Kriege keine Gründe mehr geben. Auch die Führer müssen Rechtschaffenheit und Würde ihren politischen Erwägungen und ihrem Wunsch nach Macht vorziehen. Dann werden sich der Unterdrücker und der Unterdrückte in Frieden begegnen, und sie werden gemeinsam und gleichermaßen menschliche Würde genießen und sie werden gleichermaßen mit der Gnade Gottes erfüllt werden. Dann wird verwirklicht, was der Prophet gesagt hat: »Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. ... Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.« (Jes. 11:6.9)

5. Brüder und Schwestern,
in diesem Geist feiern wir Weihnachten. Das Fest ist eine Zeit des Gebetes und der Heiligung. Es ist eine Gelegenheit, Freude und Hoffnung in unseren Herzen und Häusern zu erneuern, so dass wir mit dieser erneuerten Hoffnung über Tod und Zerstörung triumphieren können. Füllt die Kirchen mit Euren Gebeten. Pilger werden dieses Jahr nicht an unserer Mitternachtsmesse teilnehmen. Kommt selbst, um zu beten. Die Kirchen der Welt haben ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit uns und mit Euch allen ausgedrückt, und sie werden uns mit ihren Gebeten begleiten. Bittet Gott, den Allmächtigen darum, seine Gnade allen zu schenken, die ihn lieben, in jeder Religion, jedem Geschlecht und Volk dieser Erde. In Bethlehem wurde der Retter geboren. Von Bethlehem aus, mitten aus unseren Leiden und Gebeten heraus, bitten wir Gott, den Allmächtigen um die Rettung der ganzen Welt.

Heilige Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr voll der Güte und dem Frieden Gottes.

+ Michel Sabbah,
Lateinischer Patriarch von Jerusalem

(Übersetzung: Adalbert Kuhn. Mögliche Übersetzungsfehler gehen zu meinen Lasten.)
 

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