Lateinisches Patriarchat JerusalemPfingsten 200515. Mai Predigt
1. Brüder und Schwestern. Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Pfingstfest. Jedes Jahr haben wir die Gnade uns an diesem heiligen Ort zu versammeln: zusammen mit der benediktinischen Mönchsgemeinschaft und ihrem Abt Benedikt Lindemann und mit Ihnen allen, Brüder und Schwestern, Pilgern und Pfarrmitgliedern. An diesem Ort erinnern wir uns der Gegenwart des Heiligen Geistes in jedem von uns und der Geburtstunde der Kirche Christi. Durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi haben sich die Verheißungen Gottes durch die Propheten erfüllt. Die Verheißung Gottes, die Menschheit zu retten, hat sich verwirklicht.
„Alles (es) ist vollbracht“, hat Jesus am Kreuz ausgerufen (Joh 19,30). Hier, am heutigen Tag, hat sich diese Vorhersage an seine Apostel erfüllt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ Joh 14,26 Heute sendet Jesus seine Jünger wieder aus mit einer Mission: “Wie mich der Vater gesandt hat, so sende auch ich euch“(Joh 20,21). So sind sie gesandt, nicht um Reiche zu erobern, sondern das Leben Gottes, das sie erhalten haben, zu teilen, auf die Anwesenheit Gottes des Schöpfers und Erlösers in der ganzen Welt aufmerksam zu machen und Zeugen der Auferstehung Jesu zu sein.
Papst Benedikt XVI. hat vor einer Woche, am 8. Mai bei der Übernahme seiner Kathedrale St. Johannes im Lateran erklärt: “Die Macht der Lehre des Pontifex ist weder eine Bedrohung für die Freiheit des Gewissens des Einzelnen noch ein Hindernis für die Freiheit der Gedanken.“ Die Aufgabe des Papstes ist es, Zeuge des auferstandenen Christus zu sein.
Das sagen auch die Apostel. Im ersten Johannesbrief schreibt Johannes: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens.“ (1 Joh 1,1ff) Und in der Apostelgeschichte fügt Lukas hinzu: “Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen.“ (Apg 2,32)
2. Zeugen. Wir, die wir privilegiert sind, an den Orten unserer Erlösung zu leben, sind ebenso aufgerufen. Zeugen zu sein. Es ist unsere erste Aufgabe, Zeugen der Auferstehung Jesu Christi zu sein. Wir sind es mit allen Christen der Welt, die zu uns kommen nach Jerusalem als Pilger, als Botschafter ihrer Kirchen oder ihrer Gemeinschaften. Mit ihnen sind wir die Zeugen der Auferstehung Jesu, für alle, die mit uns hier in diesem Land des Konfliktes leben, Juden, Christen und Muslime. Leider distanzieren wir uns manchmal von den Einwohnern dieses Landes, wenn sie sich gegenseitig bis auf den Tod bekämpfen. Obwohl es eigentlich unsere Verantwortung wäre, ihnen nahe zu sein und die Auferstehung zu bezeugen. Deshalb werden wir nicht immer als die Zeugen erkannt, wozu wir eigentlich gerufen sind. Vielmehr sind wir oft nur bekannt für unsere Beschwerden und häufigen Rufe nach Hilfe für unser gemeinschaftliches und materielles Leben. Aber in Wahrheit sind wir Zeugen Gottes. Doch, Gott sei Dank, durch manche unserer Gottesdienste und Liturgien, die besonders in den verschiedenen Klöstern gefeiert werden und jene ansprechen, die Gott in diesem Land suchen, werden wir doch als wahre Zeugen des Heiligen Geistes erkannt und geschaut.
3. Für uns, wie für die Apostel, ist der Tag von Pfingsten der Tag unserer Geburt im Geist und unsere Aussendung. Es ist der Tag, welcher das Beste in uns wachruft was uns je passiert ist, der Tag, an dem der Heilige Geist kam, um in uns zu wohnen. Der Tag unserer Taufe und der Tag unserer Firmung waren unser persönliches Pfingsten. Seitdem haben wir den Heiligen Geist, ist er in uns. Seitdem sind wir gesandt als Zeugen der Auferstehung und des Heiligen Geistes, der die Welt erneuern kann. Er kann unsere Herzen erneuern und uns die Wahrheit unseres Lebens und den Grund unserer Freude offenbaren. Er kann sich in allen Gemeinschaften offenbaren und sie unterstützen bei ihrer Suche nach Identität. Ja, das erste Kennzeichen jeder menschlichen Identität oder Größe, sei es einer Person oder einer Gruppe, ist es ein Träger des Heiligen Geistes zu sein und zusammen mit Gott, dem Herrn der Geschichte, der Baumeister seiner je eigenen Geschichte zu werden. Diese allen gemeinsame Charakteristik befähigt jeden von uns aufmerksam zu sein für die Identität der anderen Personen und Gruppen, gleich welcher Religion, Nationalität oder Kultur. Auf diese Weise werden wir fähig in all unseren Wohnungen, in jedem Menschen, den Wohnort Gottes unter uns Menschen zu errichten.
In diesem Heiligen Land, diesem Land von Pfingsten und von der Auferstehung, von Freude und Hoffnung, diesem Land das den Sieges über Sünde und Tod gesehen hat, kennen wir immer noch die Sünde, die Verwundungen, den Tod im Kampf, den die zwei Völker immer noch gegeneinander führen. Nichtsdestotrotz, unsere Berufung ist es den tieferen Sinn der Auferstehung zu kennen und erfüllt zu sein mit seiner Kraft und dem Sieg über Sünde und Tod. Wir sind hier zwei Völker und unsere Bevölkerung verteilt sich auf drei Religionen. Wir sind aufgerufen Gott hier in unserem Land eine Wohnung zu bereiten. Wir sind alle aufgerufen uns ehrlich in die Gegenwart Gottes zu stellen, die Gnade, die Gott jedem von uns geschenkt hat, zu betrachten und zur Einsicht zu kommen, dass wir alle Kinder des einen Gottes sind. Träger seines Abbildes und dies trotz des Blutes, das vergossen wird, trotz der Gefangenen, die gefoltert werden, trotz der Mauer die weitergebaut wird, trotz der Furcht, die den Konflikt weiter nährt, als auch trotz der Besatzung und Unterwerfung des einen Volkes durch das andere. Trotzalledem, vereinigt uns eine gemeinsame Wahrheit, nämlich dass wir alle Gottes Geschöpfe sind und dadurch fähig, Tod und Sünde zu überwinden und zusammen mit Gott, dem Herrn der Geschichte, an unserer eigenen Geschichte bauen können, sowohl der heutigen als auch der zukünftigen.
4. Brüder und Schwestern, dieses Jahr ist für die ganze Kirche das Jahr der Eucharistie. Nach dem Pastoral-Plan der Katholischen Kirche im Heiligen Land ist es auch das Jahr der Katechese, der Verkündigung. Diese beiden Themen ergänzen sich: sie sind die beiden Tische, an denen wir uns nähren: der Tisch der Eucharistie und der Tisch des Wortes. Die Eucharistie ist die reale Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus unter uns, Gott und Mensch, gestorben und auferstanden. Das Wort Gottes ist für uns Licht und Kraft Gottes, die uns befähigt Gott zu schauen und Ihn allen zu zeigen, die uns in unserem Land begleiten Möge die Feier der beiden, des Wortes und der Eucharistie, in unserer Diözese Frucht bringen. Beten wir, Brüder und Schwestern, in dieser Intention. Sie wissen, Brüder und Schwestern, dass die Griechisch-orthodoxe Kirche in den letzten Tagen schwierige Stunden erfährt. „Wenn ein Glied leidet, leiden alle Glieder“ (1 Kor 12,26) schreibt Paulus. Wir leiden in der Tat mit unseren Brüdern und Schwestern der Griechisch-orthodoxen Kirche. Möge der Heilige Geist uns alle erneuern und uns an unsere Sendung erinnern und an das Wort Jesu „ Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Mögen wir alle zusammen treue Zeugen und wahre Brüder und Schwestern in Christus sein.
5. An diesem Pfingstfest danken wir Gott auch für die Firmung, die wir Mitgliedern unserer Gemeinschaft spenden: Fadi FARWAGI, Michel Shukri FARAWGI, Souleymane BALLAN, Stéphanie SHALINE, Ramzi SHALINE. Wir beten für Sie, dass der Heilige Geist ihre Freude erneuert, Jesus Christus anzugehören und Seine Zeugen zu sein. Für uns alle, Brüder und Schwestern, für alle Bewohner dieses Landes, Juden, Christen und Muslime, beten wir und bitten wir Gott, uns alle zusammen fähig zu machen sein Haus unter uns aufzubauen. +Michel Sabbah, Patriarch |
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