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Predigt - Ostern 2007

1. Christus ist auferstanden. Ja, er ist wahrhaft auferstanden. Dies ist unser Glaube und in der Kraft der Hoffnung, die uns durch die Auferstehung geschenkt ist, empfangen wir unser alltägliches Leben mit allem was es an Gut und Böse beinhaltet.

Brüder und Schwestern, Christus ist auferstanden. Möge die Freude der Auferstehung eure Herzen erfüllen. Wir betrachten das Geheimnis von Ostern in Gemeinschaft mit allen Generationen von Gläubigen aller Zeiten und aller Orte. In dieser Gemeinschaft mit ihrem Glauben, ihrer Hoffnung und ihrer Liebe werden wir selber gestärkt in unserem Glauben, unserer Hoffnung und unserer Liebe zum auferstandenen Herrn und zu allen Männern und Frauen, für die er gestorben und auferstanden ist. Der Heilige Petrus sagt uns : „Gott hat uns in seinem großen Erbarmen neu geboren, damit wir durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten eine lebendige Hoffnung haben und das unzerstörbare, makellose und unvergängliche Erbe empfangen“ (1 Petr 1, 3).

In dieser Gemeinschaft der Heiligen feiern wir hier in Jerusalem, vor dem leeren Grab des Herrn das Gedächtnis des auferstandenen Christus. Wir haben in diesen Tagen gelesen und gehört, was uns die Evangelisten überliefern: der Herr hat gelitten, er hatte seinen Jüngern angekündigt, daß er leiden und sterben werde. Den beiden Jüngern von Emmaus rief er ins Gedächtnis, daß der Messias leiden mußte, bevor er in seine Herrlichkeit einging, um der ganzen Menschheitsfamilie diese Herrlichkeit zurückzuschenken.

In der 2. Lesung des Ostermontag sagt Meliton von Sardes: „Das Geheimnis, das wir an diesem Tag der Auferstehung betrachten, ist ein Geheimnis geistlicher Freude, das unser ganzes Leben durchzieht: obwohl er Gott war, nahm der Herr Menschengestalt an, litt für den Leidenden, ließ sich binden für den Gefangenen, verurteilen für den Schuldigen, begraben für den Begrabenen und ist von den Toten erstanden“ (Meliton von Sardes, 2. Lesung, Montag der Osteroktav)

Hier stoßen wir auf ein Geheimnis: warum mußte er leiden? Warum war das Leiden -und ist es immer noch - der Weg zum Leben? Und die Kehrseite des selben Geheimnisses: wenn wir nach dem Abbild des heiligen Gottes geschaffen sind, warum ist dann seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte die Sünde gegenwärtig, wie in der Erzählung eines Bruders, der aus Eifersucht seinen Bruder tötete? Bis heute hat sich daran nichts geändert, in der ganzen Welt nicht und hier auch hier nicht, in der Geschichte unseres Landes, indem wir heute die Herrlichkeit der Auferstehung feiern.

Eines ist sicher. wir sind nach dem Abbild Gottes geschaffen. Noch eines ist sicher: bei uns tötet der Bruder weiterhin seinen Bruder. Wir sind das Abbild Gottes, das Werk seiner Hände, alle, Christen, Juden und Moslems. Alle haben wir den Auftrag erhalten, Ihn nachzuahmen. Seid vollkommen und seid heilig, sagt die Schrift, denn ich, der Herr euer Gott bin heilig (vgl Lv 11, 44; Mt 5, 48). Und wir handeln nicht danach. Das Gute und das Böse verschwimmen in unserem persönlichen Leben und in unseren Beziehungen unter Völkern. Und dennoch, der Auftag des Schöpfers beinhaltet immer auch die Fähigkeit, diesen Auftrag zu erfüllen. Sei es durch das geschriebene Wort Gottes oder durch die verschiedenen Ereignisse unseres Lebens, auf die eine oder andere Weise erhebt sich immer und für alle inmitten alles Bösen und alles Guten der Ruf: Der Herr kommt. Er ist gegenwärtig (vgl Mt 25, 10)

Anwendungsbereiche in unserem Leben

2.         Die Auferstehung ist ein neues Leben, das uns gegeben ist, und das in seiner Neuheit bewahrt werden will, um nicht durch Last, Routine und Müdigkeit zu veralten oder durch egoistische Ansprüche vereinnahmt zu werden, die das Leben in uns lähmen.

Der Heilige Petrus sagt uns: „Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht für eine aufrichtige Bruderliebe. Handelt als Freie, aber nicht als solche, die die Freiheit als Deckmantel für das Böse nehmen, sondern wie Knechte Gottes.“ (1 Petr 1, 22; 1 Petr 2, 16)

Als freie Menschen handeln, ohne die Freiheit als Deckmantel zu benützen: was für ein Appel an die Verantwortlichen für Frieden und Krieg in unserem Land der Auferstehung und der Freiheit. Unser Konflikt dauert nun schon über ein Jahrhundert an. Ein Jahrhundert Konflikt und ein Jahrhundert menschliche Ohnmacht diesen zu beenden. Dieses Jahr sind es 40 Jahre Besatzung und 40 Jahre Ohnmacht, die Besatzung zu beenden, ebenso 40 Jahre mangelnde Sicherheit und Ohnmacht, diese zu gewährleisten.

Der Geist von Ostern lädt alle Verantwortungsträger für Krieg und Frieden in diesem Heiligen Land ein, neue Kriterien, eine neue Vision zu ergreifen. Bis zum heutigen Tag hat die Unterdrückung Gewalt hervorgebracht, und die Gewalt führt zu mehr Unterdrückung. Die anfängliche Unterdrückung, die Besatzung und die Verweigerung der gegenseitigen Anerkennung müssen beendet werden, um entschieden die Wege des Friedens zu beschreiten. Die Juden feiern Pessach, Gedenken an die Befreiung des jüdischen Volkes und Symbol der Freiheit jedes Volkes. Wird Israel eines Tages dieses besondere Pessach feiern, an dem es den Mut haben wird, dem palästinensischen Volk seine Freiheit zurückzugeben und selbst seine volle Freiheit zu finden? Ein Jahrhundert der Ohnmacht würde so zu Ende gehen, und das Werk der Auferstehung und des neuen Lebens in diesem Land beginnen.

3.         Brüder und Schwestern, in unserer Freude und unserem Gebet zu Ostern hier vor dem Grab des Herrn tragen wir das Gedächtnis unserer ganzen Diözese und aller Kirchen in Palästina, Israel, Jordanien und Zypern. Wir tragen das Gedächtnis aller Einwohner unseres Landes, Moslems, Juden, Christen und Drusen. Den Juden, die Pessach feiern wünschen wir ein Pessach in Heiligkeit, Freiheit und Frieden. Dem ganzen palästinensischen Volk unter der Besatzung, Christen und Moslems, wünschen wir Freiheit, das Ende unserer Leiden, die Freilassung der tausenden politischen Gefangenen, ebenso wie die Freilassung der vier israelischen Gefangenen. Unser Fest ist ein Gebet für alle und eine Erneuerung unserer Liebe zu allen.

Christus ist auferstanden. Er mußte leiden, um in Seine Herrlichkeit einzugehen. Er lädt uns ein, aus allen unseren Leiden auf allen Ebenen eine Quelle der Erlösung zu machen, für uns und für all jene mit denen wir leben. Christus ist auferstanden. Frohes und gesegnetes Osterfest. Amen.

                                                                                                            †Michel Sabbah, Patriarch

Jerusalem, Ostern, 8. April 2007

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