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Patriarch Emeritus

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Osterbotschaft 2007

 

 

Brüder und Schwestern,
Christus ist auferstanden. Ja, er ist wahrhaft auferstanden.

1. An diesem Fest betrachten wir die Herrlichkeit des Himmels, die auf die Erde herabgestiegen ist und unter uns das Leben erneuert hat. Jesus sagt: „ Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11, 25). Festzeiten erneuern den gläubigen Menschen im Empfang und in der Freude des Lebens. Er stellt sich in die göttliche Gegenwart und gedenkt der Wohltaten Gottes. Zu Ostern feiern wir erneut das Gedächtnis des auferstandenen Christus, des Siegers über Tod und Sünde. Wir halten uns vor Augen, daß er für unsere Sünden gestorben ist, wie der Prophet Jesaja sagt: „Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Frieden lag die Strafe auf ihm“ (Jes 53, 5). Wegen unserer Sünden und zu unserem Frieden ist er gestorben. Er ist gestorben und auferstanden und hat auch uns und jedem Menschen die Macht gegeben, im Grunde unseres Wesens den Tod, d.h. die Sünde, zu besiegen.

2. Durch seine Auferstehung hat der Herr uns neues Leben und neuen Mut geschenkt, um die Sünde in uns und in unserer Gesellschaft besiegen zu können: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung“ (2 Kor 5, 17), sagt der heilige Paulus. In all unseren Beziehungen mit unserer Gesellschaft schenkt uns die Auferstehung Christi neue Kraft für das Leben und für die Liebe, die uns lehrt und hilft, zu vergeben und die Gerechtigkeit wiederherzustellen. Lieben heißt, in jedem Menschen das Antlitz Gottes sehen. Es heißt also, Gott selbst in seinen Geschöpfen lieben; es heißt vergeben, wie er jedem von uns vergibt; es heißt von Gott selbst die Gerechtigkeit in unseren Beziehungen erlernen. Lieben wie Gott liebt bedeutet, in die Tiefen des Geheimnisses seiner Vorsehung vorzudringen und mit ihm, dem Herrn der Geschichte, fähig zu werden an unserer Geschichte mitzuwirken, unser Land des Todes und der Sünde umzuformen in ein Land des neuen Lebens.

3. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben, auch wenn er stirbt“ (Joh 11, 25). Dies ist auch unser Glaube, wenngleich wir im Herzen des Heiligen Landes mit einer vom Tod geprägten Realität konfrontiert sind, Tod, der sich ausdrückt in Haß, Angst, Ungleichgewicht in den Beziehungen zwischen Personen und auf Ebene der Regierenden. Unser Land ist zugleich ein Land der Auferstehung und des Todes, aber seine Berufung und wesentliche Mission ist es, Land der Liebe und des Lebens zu sein, Leben in Fülle für alle seine Bewohner aller Religionen. Dies setzt voraus, daß jeder Gläubige jeder Religion die Konsequenzen seines Glaubens an Gott zieht, nämlich daß wir alle Geschöpfe Gottes sind, seiner Hände Werk, und daß an Gott glauben auch bedeutet, alle Kinder Gottes anzunehmen. Jeder nimmt jeden an, jeder respektiert jeden, niemand übt einem anderen gegenüber Gewalt aus; es gibt weder Stärkere noch Schwächere, weder Besatzung noch Mauern noch Militärkontrollposten, weder Angst noch Gewalt.

4. Dieses Jahr schauen wir zurück auf 40 Jahre großen Ungleichgewichtes in unserm Heiligen Land, und all daraus folgenden Konsequenzen für unsere Region und die ganze Welt. Werden unserer Regierenden und die internationale Staatengemeinschaft diesem Ungleichgewicht endlich ein Ende schaffen? An sich ist die Sache einfach: zwei Völker sind im Krieg gegeneinander und man besetzt das Haus des anderen. Die Lösung wäre einfach, daß jeder sein eigenes Haus bewohnt, die Israelis und die Palästinenser. Tatsächlich hat die Angst vieles erschwert: die Palästinenser schätzt man als Terroristen ein oder zumindest als unfähig, die Sicherheit zu gewährleisten. Dazu kommen verschiedene weltweite Phänomene, direkte oder indirekte Konsequenzen des Ungleichgewichts im Heiligen Land, die eine große Angst geschürt haben und an sich einfache Dinge noch schwieriger erscheinen lassen. Trotz all dem bleibt klar: solange das Haus des anderen besetzt ist, bleibt auch das Ungleichgewicht bestehen. Und solange dieses Ungleichgewicht im Heiligen Land bestehen bleibt, werden auch die Region und die Welt darunter leiden. Damit ein Heilungsprozess unseres Landes, dieser Region und der Welt beginnen kann, muß man das Risiko des Friedens eingehen und die Besatzung beenden (jeder lebt bei sich zu Hause).

5. Unser Land ist zugleich ein Land der Auferstehung und des Todes, aber seine Berufung und wesentliche Mission ist es, Land der Liebe und des Lebens zu sein, Leben in Fülle für alle seine Bewohner aller Religionen und aller Nationalitäten. Dies erbitten wir von Gott. Durch die Gnade der Auferstehung bitten wir ihn für alle Menschen um das Geschenk des Lebens in Fülle, des Friedens und des Segens.

Christus ist auferstanden. Ja er ist wahrhaft auferstanden.
Frohes Osterfest

Michel Sabbah, Patriarch

Jerusalem, 3 April 2007

 

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