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Patriarch Emeritus

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 Weihnachtsbotschaft 2007  

Gesegnetes Weihnachtsfest.

1.       Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ist erschienen“ (Tit 3, 4). Wir feiern Weihnachten in der Freude, gegründet auf unsere Hoffnung, mit der Hilfe Gottes bessere Zeiten zu erleben, durch unseren Beitrag in allen Bereichen des öffentlichen Lebens und durch unsere Teilhabe an den Opfern, die hier notwendig sind. Deshalb erneuern wir zu Weihnachten unseren Glauben an denjenigen, an den wir geglaubt haben, an das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, Jesus, in Bethlehem geboren, Friedensfürst und Retter der Menschheit. Er ist Mensch geworden, um uns zu Gott, unserem Schöpfer zurückzuführen. Wir wissen daher, daß wir nicht alleine sind, daß wir angesichts der Vielzahl von Herausforderungen in diesem Heiligen Land nicht uns selbst überlassen sind. Gott ist mit uns, und deshalb ist die Hoffnung in uns lebendig, inmitten der täglichen Schwierigkeiten, unter der Besetzung, in Unsicherheit und Mangel. Gott ist mit uns, um uns daran zu erinnern, daß das Liebesgebot Jesu, der in Bethlehem geboren wurde, auch in unseren schwierigen Zeiten seine Gültigkeit bewahrt: Liebe untereinander; Liebe zu allen; Liebe, die in jedem Menschen, jeder Religion und jeder Nationalität das Antlitz Gottes erkennt; Liebe, die fähig ist zu vergeben und gleichzeitig mutig genug, um unsere Rechte einzufordern, besonders jene, die Gott jeder einzelnen Person und der ganzen Gemeinschaft geschenkt hat, wie die Gabe des Lebens, der Würde, der Freiheit und des Erdbodens; Liebe, die darin besteht, für alle Sorge zu tragen, und daher mit allen am Aufbau des Friedens zu arbeiten; Liebe, die Gabe und Geschenk ist, für alle die in Armut und Not leben, damit das Leben, Gottes Gabe an alle ohne Unterschied, ein Leben sei, daß ganz gelebt werden kann, das „Leben in Fülle“, das Jesus uns gebracht hat.

2.       Wir feiern auch dieses Jahr wieder Weihnachten, streben aber immer noch nach einem unmöglich erscheinenden Frieden. Wir glauben trotzdem, daß der Friede möglich ist. Palestinenser und Israelis sind fähig, friedlich zusammenzuleben, jeder in seinem Territorium, jeder in Sicherheit, in Würde, und im Besitz seiner Rechte. Um jedoch Frieden zu erlangen, müssen wir glauben, daß Israelis und Palästinenser in allem gleichberechtigt sind, die selben Rechte und Pflichte haben, und daß wir endlich die Wege Gottes einschlagen müssen, die nicht die Wege der Gewalt sind – sei es von seiten des Staates, sei es von seiten des Extremismus.

Durch den Konflikt im Heiligen Land ist die ganze Region in Mitleidenschaft gezogen. Im Libanon, im Iraq und auch hier bei uns scheinen die Kräfte des Bösen entfesselt und entschlossen zu sein, die Wege des Todes, der Unterdrückung und des Ausschlusses weiter zu gehen. Trotz all dem glauben wir nicht, daß Gott uns diesen Kräften des Bösen überlassen hat. All dies ist ein Ruf an alle Frauen und Männer guten Willens, die Wege Gottes einzuschlagen, um Sein Reich unter den Menschen zu errichten, im Sinn und im Respekt jeder menschlichen Person. Wir glauben, daß Gott gut ist. Er ist unser Schöpfer und unser Erlöser und Er hat in jedes Menschenherz seine Güte gelegt. Alle sind also fähig, für das Gute und den Frieden auf Erden zu wirken.

In diesen vergangenen Wochen haben neue Bemühungen für den Frieden begonnen. Damit diese erfolgreich sein können, braucht es einen entschiedenen Willen zum Frieden. Bisher ist es nicht zum Frieden gekommen, da einfach der Wille dazu fehlte: „ Sie sagen Frieden, Frieden, aber es gibt keinen Frieden“ (Jer 6, 14). Der Starke, der alles in der Hand hält und der anderen Seite die Besetzung aufzwingt hat die Pflicht, das Recht aller zu suchen und mutig durchzusetzen. „ O Gott, gib dein Gericht dem König“, gib unseren Regierenden Gerechtigkeit, damit sie dein Volk nach Recht leiten. (vgl Ps 72).

3.       Seit einiger Zeit hört man Gerüchte von der Schaffung religiöser Staaten in diesem Land. Aber in diesem Land, das für drei Religionen und zwei Völker heilig ist, können keine religiösen Staaten errichtet werden, denn ein religiöser Staat würde die Gläubigen anderer Religionen ausschließen oder benachteiligen. Kein Staat, der den anderen ausschließt oder diskriminiert, entspricht dem Land, das von Gott für die gesamte Menschheit geheiligt worden ist.

Die führenden Persönlichkeiten in Politik und Religion müssen die universale Berufung dieses Landes, in das Gott uns durch die Geschichte zusammengeführt hat, verstehen lernen. Sie müssen wissen, daß die Heiligkeit dieses Landes nicht im Ausschluss der einen oder anderen Religion bestehen kann, sondern in der Fähigkeit jeder Religion, bei allen Verschiedenheiten, alle Einwohner dieses Landes, willkommen zu heißen, zu respektieren und zu lieben.

Die Heiligkeit und die universale Berufung dieses Landes verpflichtet auch, die Pilger aus aller Welt hier zu empfangen, jene, die für eine kurzen Besuch kommen und jene, die herkommen, um hier zu leben, zu beten, zu studieren, oder den religiösen Dienst auszuüben, auf den jeder Gläubige jeder Religion ein Recht hat. Seit Jahren leiden wir unter einem ungelösten Problem betreffend der Einreisevisen für Priester, Ordensfrauen und –männer, die aufgrund ihres Glaubens in diesem Land Rechte und Pflichten haben. Jeder Staat in diesem Land ist anders als gewöhnliche Staaten, denn er hat spezifische Pflichten, die aus der Heiligkeit dieses Landes hervorgehen, das ihm anvertraut wird, um seine universale Berufung zu respektieren und zu fördern und somit auch entsprechend empfangsbereit für alle Gläubigen anderer Religionen zu sein.

4.       Ich bitte Gott, daß die Gnade von Weihnachten, die Gnade Gottes, der unter uns gegenwärtig ist, alle Regierenden dieser Erde erleuchte. Möge Weihnachten für alle unsere Gläubigen in allen Teilen unserer Diözese eine Gnade sein, die ihren Glauben erneuert, und ihnen hilft, besser zu leben, und alle ihre Pflichten in ihren Gesellschaften wahrzunehmen.

Frohes und gesegnetes Fest Ihnen allen.

+ Michel Sabbah, Patriarch
Jerusalem, 19. 12. 2007

 

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