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Patriarch Emeritus

Pastoral Letters

 

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Sixth Pastoral Letters
of H.B. Msgr. MICHEL SABBAH
Latin Patriarch of Jerusalem.

« Suche den Frieden, und jage ihm nach »
(Ps. 34,15)

Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit;
denn sie werden satt werden. Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
(Mt.5, 6.9)

FRAGEN UND ANTWORTEN

über
GERECHTIGKEIT UND FRIEDEN IN UNSEREM
HEILIGEN LAND

15. September 1998

VORWORT

Liebe Brüder und Schwestern, Gruß und Frieden. Mit dem in Herrlichkeit auferstandenen Jesus Christus, der in uns Hoffnung und Mut erneuert und uns zu einem neuen Leben berufen hat, sagen wir Euch: „ Friede sei mit euch!“ (Joh. 20, 19. 21)

1. Bereits in unserem Pastoralbrief von 1990 „Ruft den Frieden über Jerusalem aus“, wollten wir euch helfen in der sehr schwierigen Periode (Intifada), die wir durchmachten , im Lichte des Evangeliums Jesu Christi zu leben. Wir stehen heute einer neuen Situation und einer neuen Phase beim Suchen nach Gerechtigkeit und Frieden in unserem Heiligen Land gegenüber. Nach der Intifada gab es die Konferenz von Madrid 1991, dann die Osloer Abkommen 1993. Danach gab es verschiedene Abkommen, die nicht aufhören, sich für die Realität, die wir leben auszuwirken: Die Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat Israel, und das grundlegende Abkommen, das daraus folgte; das Friedensabkommen, zwischen Jordanien und Israel, und die Ankunft der Palästinensischen Autonomiebehörden im Juli 1994. Trotz alle dem, die allgemeine Situation bleibt heute weiterhin sehr schmerzhaft und gespannt. Der Prozeß des Friedens und der Gerechtigkeit ist zum Stillstand gekommen, und manche sagen er sei sogar tot. Der Frieden scheint in der Tat noch sehr weit (entfernt) zu sein.
In dieser Situation halten einige daran fest und sagen: „Die Suche nach Gerechtigkeit und Frieden muß fortgesetzt werden.“ Andere sind entmutigt. Sie sagen: “Es gibt nur die Rückkehr zur Gewalt, um zu versuchen das Wenige an Recht zurückzubekommen, das noch zurück zu erlangen ist. Andere sagen: „ Alles ist nutzlos; es bleibt nur noch abzuwandern, bei jeder Gelegenheit zu genießen, oder aus jeder Gelegenheit den Nutzen zu ziehen ohne an die Würde und Rechte zu denken.“ Daher lassen sich viele –unter dem Volk wie bei verantwortlichen– durch die Korruption und den Profit gefangennehmen, soweit wie möglich, bei jeder Gelegenheit, ohne sich über die Leiden der anderen zu beunruhigen noch die Geradheit, ohne die unser Leben seine Stabilität zurückgewinnen kann.
Angesichts dieser Tatsache, hinter fragen sich die Gläubigen und stellen zahlreiche Fragen an die (Hirten) Seelsorgern, die Gott als Leiter seiner eigenen (Herde) Gemeinde anvertraut hat. Diese Fragen versuchen wir im Lichte des Evangeliums zu beantworten.

2. Wir richten diesen Text an alle unsere Gläubigen, und vertrauen ihn ebenso allen Bewohnern dieses Heiligen Landes an, die seit so vielen Jahren auf der Suche nach Gerechtigkeit und Frieden sind, nach verschiedenen Vorstellungen und sogar widersprüchlichen. Durch kurze und - soweit wie möglich - klare Antworten auf die Fragen, die sich uns allen und an jedem Augenblick unseres tägliches Lebens stellen, wünschen wir unseren Gläubigen zu helfen, eine christliche Vorstellung von Gerechtigkeit und Frieden zu entwickeln, angesichts des Konflikts, der nicht aufhört, die Herzen und Gemüter auszufüllen

3. Unsere Grundvorstellung ist die folgende: Gott ist der Schöpfer aller Menschen und aller Völker. Die Würde jedes einzelnen ist die, die Gott ihm gegeben hat. Wir sind alle gleich in dieser Würde. Von dort stammt die Gleichheit zwischen den Völkern und einzelnen Menschen, mit ihren Rechten und Pflichten, und die Notwendigkeit für jeden einzelnen die Rechte des anderen zu respektieren und anzuerkennen, und ihn nicht bei der Erfüllung seiner Pflichten zu hindern, noch seine Rechte wiederzuerlangen. Jeder Mensch und jedes Volk haben das Recht und die Pflicht, alle ihre Rechte einzuklagen, wenn sie verletzt werden, und sich ihrer vollen Freiheit erfreuen, um seine Pflichte ausüben, und alle seine Rechte zu verteidigen zu können. Jedem Menschen und Volk muß geholfen werden in diesem Verfolgen der Gerechtigkeit, denn die Gerechtigkeit garantiert den Frieden für alle. Ohne Gerechtigkeit, d.h. solange die Rechte weiterhin verletzt werden, bleibt der Weg zum Friedens verschlossen.
Ein weiteres Prinzip unserer Grundvorstellung: Nur die Wege des Friedens können zum Frieden führen. Mit Gewalt kann ein Krieg oder eine Schlacht gewonnen werden. Ein Staat kann mit Gewalt geschaffen werden und als vollendete Tatsache aufdrängen. Der Friede wird aber nur eine Frucht des Friedens sein. Die Wirklichkeit, die wir erleben beweist es. Mit Stärke und Gewalt hat Israel Schlachten gewonnen und einen Staat geschaffen. Aber den Frieden zu suchen hat nicht aufgehört oder ihn mit Gewalt unnütz aufzwingen zu wollen. Ebenso die Palästinenser: Durch die Kämpfe zwischen Arabern und Juden, die nun mehr seit einem Jahrhundert andauern, haben sie nur erreicht zu verlieren und sind nicht zum Frieden gekommen. Der Dialog ist der Weg mit der Verhandlungen, vorausgesetzt, daß die Übereinkünfte, die man dabei erreicht, nicht Unterschriften auf Papier bleiben: Sie müssen die Rechte aller wiederherstellen. Allein mit der Wiederherstellung der Gerechtigkeit kann die Erziehung zum Frieden in den Herzen beginnen.

4. Wir hoffen, daß diese Überlegungen unseren Gläubigen helfen können, ihren Standpunkt in der gegenwärtigen Phase der Suche nach Gerechtigkeit und Frieden zu bestimmen, währen der Konflikt noch keine endgültige Lösung gefunden hat. Um seine Hoffnung neu zu beleben und zu Wissen, wie sie sich in diesen schwierigen Zeiten verhalten sollen, soll jeder Gläubige versuchen das Geheimnis Gottes in den alltäglichen Ereignissen zu entdecken. Inspiriert durch Gottes Wort und der Lehre der Kirche, ist er berufen seine Verantwortung in diesem historischen Augenblick zu übernehme. Der gegenwärtige Augenblick in der palästinensischen Gesellschaft ist eine der schwierigsten, angesichts des Verfalls der Lage und der allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unsicherheit. Genau in solchen schwierigen Augenblicken braucht der Christ die volle Unterstützung seines Glaubens und seiner Hoffnung, um sein alltägliches Vorankommen und sein alltägliches Schicksal zu unterstützen.

5. Die Leiter der Kirchen Jerusalems waren mehr als einmal von den Behörden unter dem Vorwand der ungebührlichen Einmischung in die Politik kritisiert worden und Parteigänger einer Partei gegen die andere zu sein. Diese Seiten wollen folgendes sagen: Die religiöse Leiter haben das Recht und die Pflicht, sich in eine politische Lage einzulassen, die eine allgemeine Unsicherheit im täglichen Leben hervorruft, und die Ursache für Ungerechtigkeiten ist, die die Freiheit einschränken, und Frustration hervorrufen, und in der Folge Gewalt, die man zu vermeiden sich bereit erklärt hatte, während sich die Ungerechtigkeiten in den Seelen nur aufrecht erhalten und vertiefen. Die Kirche spricht nicht, um eine Partei zu unterstützen oder gegen die andere aufzuhetzen, sondern um ihre Pflicht zu erfüllen, die darin besteht, Ungerechtigkeit anzuklagen und die Unterdrückung zu verbieten und zu sagen, daß sie das Recht hat alle Rechte zu beanspruchen. Durch Tat und Wort lädt sie die Unterdrücker ein, sich selbst von der Unterdrückung zu befreien, die er über den anderen ausübt. Wenn die Unterdrückung ein Ende findet, und jeder Mensch und jedes Volk über sich aller ihrer Rechte erfreuen kann, verschwindet die Gewalt, und Gerechtigkeit und Frieden herrschen.
An die politisch Verantwortlichen, in deren Händen das Schicksal der Völker, und die Lösung des Konfliktes zwischen Israelis und Palästinenser und der Arabischen Welt liegt, bieten wir unsere Botschaft als einen bescheidenen Beitrag an, um einen wahren und endgültigen Frieden zu erreichen, der auf Gerechtigkeit und Würde für alle gegründet ist.
+ Michel Sabbach , Patriarch

Jerusalem, 15 September 1998

1. FRIEDE, DEN SICH ALLE WÜNSCHEN

1          Was ist Frieden?
Friede ist nicht eine bloße Abwesenheit von Krieg und beschränkt sich nicht bloß auf die Sicherung des Gleichgewichts zwischen Feindlichen Kräften; er geht auch nicht aus einer despotischen Herrschaft oder gar einer militärischen Besetzung hervor. Friede ist Frucht einer, in die menschliche Gesellschaft von ihrem göttlichen Schöpfer eingeschriebene Ordnung (cf.`Gaudium et spes n.78). Er ist vor allem das Werk der Gerechtigkeit, ist die Frucht der Wahrheit, Freiheit und Liebe, die weit darüber hinaus geht, was Gerechtigkeit vollbringen kann.
Er setzt voraus den Schutz des Gemeinwohls der Völker und des einzelnen, und den gegenseitigen Respekt vor der Freiheit des einzelnen unter ihnen, ihrer Rechte, ihrer Grenzen und ihrer Souveränität.

  • Steht Frieden im Verbindung

    mit dem Glauben an Gott?
Friede steht in direkter Verbindung mit Gott, der in sich selbst die Fülle der Liebe und des Friede ist; er hat alle Menschen geschaffen, um sie an seinem Leben voller Glück teilhaben zu lassen. Er hat zu uns sein Wort und einzigen Sohn gesandt, um alle seine Kinder in einzigartigen Familie zu sammeln, die die Sünde zerstreut und unter einander uneins machte. (Vgl.Joh.11,52) Jesus Christus ist unser Friede und Versöhnung, der in seinem Fleisch den Haß vernichtete hat.(Vgl. Eph.2,14)
Daher haben die Engel am Tag seiner Geburt in Betlehem gesungen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden die er liebt.“ (Lk 2,14)
Nachdem er das Böse und den Tod besiegt hatte, kann der auferstandene Jesus seinen Jüngern den wahren Frieden verkünden und allen geben, die an ihm glauben. „ Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“(Jh 14,27)
Der Friede ist zuerst ein Geschenkt, das uns von seiten Gottes zukommt. Der wahre Friede unter den Menschen, auf Gerechtigkeit und Liebe gegründet, ist das Abbild und die Folge des Friedens Gottes.
Andererseits ist der Friede auch eine Aufgabe, die Gott uns als ein Gut anvertraut, das unaufhörlich gesucht und verteidigt werden muß. Der Friede ist nie ein für allemal erreicht, man muß ohne unterlaß an ihn bauen. Er ist die Frucht andauernder Auseinandersetzung.
Für den Frieden arbeiten, heißt den Willen Gottes in der Geschichte zu erfüllen, die wir gestalten und leben. Gott anbeten, Gott lieben heißt alle seine Geschöpfe zu lieben, und gemeinsam am Frieden zu bauen.
So ist der Friede dem Glauben nach Geschenk Gottes und Engagement aller Menschen guten Willens zugleich. Papst Johannes XXIII sagte in seinem Enzyklika Pacem in Terris (Nr.168: „Der Friede ist ein zu feines erhabenes Unternehmen, daß es ein Mensch - sei er auch höchsten Lobes Würdig und vom besten Willen beseelt – nie erfüllen könnte, wenn er sich auf eigene Kraft verließe.“

Welchen Frieden wünschen wir uns und den

     Völkern im Heiligen Lande und seiner Region?
Wir wünschen allen den wahren Frieden, d.h. den auf Gerechtigkeit und Liebe begründeten, so wie es Jesus in seiner Bergpredigt gelehrt hat. Wir bitten Gott um den Frieden, der alle Rechte aller Konfliktparteien sichert. Wir wünschen den Frieden, der die Sicherheit allen Palästinenser, Israelis und allen Anliegerstaaten garantieren kann. Der Friede, der aus respektvoller Würde, der Freiheit, der Souveränität und den Rechten jedes einzelnen, jedes Volkes in Israel, Palästina, Jordanien und in allen Ländern der Region besteht. Der Friede, der bewirkt, daß kein Land sich so verhält, daß es zur Bedrohung für das andere wird - für sein Territorium und seine Rechte.

  • Verlangt Frieden, daß man auf seine Rechte

     verzichtet, daß man Ungerechtigkeit hinnimmt?
Keiner hat die Vollmacht, unter irgendeinem Vorwand von den Unterdrückten zu fordern, daß sie schweigen und ihre Rechte nicht einfordern sollen. Denn Friede kann sich nicht auf Verletzung oder Aufgabe der Rechte begründen, d.h. auf Ungerechtigkeit. Hinnehmen von Ungerechtigkeit und Verzicht auf legitime Rechte sichern nicht den Frieden. Das Aufzwingen eines ungerechten Friedens würde zu einem falschen Frieden führen, der zerstörender sein könnte als ein Krieg, denn Ungerechtigkeit kann nicht von Dauer sein, und die Rechte würden von neuem zurückgefordert werden.

 

2.  DER KONFLIKT, DER DEN FRIEDEN IN UNSEREN LÄNDERN VERHINDERT

  • Von welcher Art ist der Konflikt zwischen

    den Israelis und Palästinensern?
Der Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern ist ein politischer und wirtschaftlicher Konflikt. Obwohl die beiden Völker semitisch sind, ist das auch ein Konflikt zwischen zwei Kulturen. Dabei hat die Religion einen großen Einfluß, denn alle Gesellschaften im Orient sind auf der Religion aufgebaut. Es ist ein politischer Konflikt zwischen zwei Völkern, die drei Religionen angehören: Dem Islam, dem Judentum und dem Christentum.

  • Was ist die Hauptquelle des Konflikts?

Die Hauptquelle des Konfliktes ist der Streit zwischen zwei Völkern über das gleiche Land, zwischen Juden und Palästinensern. Beide Völker lebten dort über Jahrhunderte hinweg gemeinsam in Frieden. Dann kehrten sich die demographische Verhältnisse im folge der massiven jüdischen Einwanderungen seit dem Beginn des Jahrhunderts um, das palästinensische Volk sich bedrängt zu fühlen, sein Land und seine Freiheit zu verlieren; der Friede hörte auf und der Konflikt begann. Die Ausrufung des Staates Israel 1948 zog die Besetzung mit Gewalt einer großen Zahl Stärke von palästinensischen Städten und Dörfern nach sich sowie die Enteignung eines großen Teiles ihrer Ländereien und ihres Eigentums, Hunderttausende Palästinenser wurden Flüchtlinge. Seit diesem Datum 1948 verfügt das jüdische Volk über seinen Staat und erfreut sich seiner Souverenität und seiner Freiheit. Im Gegensatz dazu ist das palästinensische Volk immer unter israelische Militärbesatzung auf dem wenigen Land, das ihm geblieben ist, selbst wenn sich dieses Regime ein wenig gemildert hat durch die palästinensischen Autonomiebehörde, die kürzlich auf einen Teil des palästinensichen Gebietes gegründet worden ist. Ohne Unterlaß fordert sie die Sicherheit, Freiheit, das Recht auf Selbstbestimmung und ihre vollkommene Unabhängigkeit in ihrem eigenem Staat.

  • Welche Rolle spielt Jerusalem in diesem Konflikt?

Jerusalem ist im Zentrum des Konflikts, aufgrund seiner Stellung im religiösen und geschichtlichem Gedächtnis der beiden Völker -des palästinensischen und jüdischen- und der drei Religionen: Judentum, Christentum und Islam. Wenn die Jerusalemfrage gelöst werden wird, wird das Herz des Konflikts gelöst werden. Soll die Jerusalemfrage nicht gelöst werden, wird der Konflikt am Brennen bleiben. Jedes andere Abkommen wird nur partiell bleiben und wird in der Region den gewünschten Frieden nicht schaffen können.
Da Jerusalem am Herzen des Konflikts liegt, und da die Mehrzahl der heiligen Orte -jüdische, christliche und islamische- sich in ihr befinden, gibt sie dem Konflikt eine religiöse Dimension..
Daher haben die Gläubigen hauptsächlich Rolle zu spielen. Sie haben die Pflicht für die Wiederherstellung der Gerechtigkeit und für die Versöhnung tätig zu. Jerusalem ist eine heilige Stadt. Der Dauerzustand des Konflikts und die Tatsache, die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten andauern zu lassen, stehen im Gegensatz mit dieser Heiligkeit, und allen religiösen Werten. Die wirklich Gläubigen leiden an dem, was sich heute in Jerusalem ereignet. Dennoch, das Leiden reicht nicht; denn es paßt zu einem jeden ernsthaften Gläubigen - welcher Religion er angehören mag - seine Verantwortung zu übernehmen, und dafür zu arbeiten, damit jeder Unterdrückung beseitigt, und die Gerechtigkeit und Versöhnung wiederhergestellt werden.

Die Leiden der Palästinenser in Jerusalem sind zahlreich: Fast eine Unmöglichkeit eine Baugenehmigung zu erhalten, und die Zerstörung ihrer Häuser, wenn sie gebaut sind; Einbehalten des Personalausweises der Einwohner Jerusalems, und also Aberkennung des Rechtes dort zu wohnen, aufgrund ihrer Abwesenheit von der Stadt aus Arbeitsgründen, der Wohnung oder Sonstigen; Diskriminierung bei den städtischen Dienstleistungen; Auferlegen eines Steuersystems, das auf die wirtschaftliche Situation der israelischen Gesellschaft angewandt werden kann, aber ungeeignet für den palästinensischen Sektor, der in einem wirtschaftlichen ungenügend entwickeltem Zustand erhalten wird, der dazu führt, daß die Steuern zur Ursache zum Ruin für manche werden, usw.

Alle diese Leiden und Schwierigkeiten, im Vergleich mit den Möglichkeiten, die den Israelis jüdischen Herkunft angeboten werden, und vor allem mit denen, die selbst nicht in Jerusalem geboren worden sind, sind unzulässig.
Bei alle dem, was sagt die Kirche ihren Gläubigen?
Wegen all dieser Leiden, wendet sich die Kirche an die politisch Verantwortlichen, damit notwendige Maßnahmen ergriffen werden, um dem ein Ende zu setzen. Diese Zerstörung der Häusern ist ein Verletzung der Menschenrechte; ebenso einem das Recht zu Entziehen, auf seinem Land zu bleiben. Wir sagen den Verantwortlichen, daß der Friede für Jerusalem nicht entstehen kann durch Ersticken und Verleugnen der Stimmen der Unterdrückten, sondern durch Hören und wirkungsvolles Antwortgeben auf ihre berechtigten Forderungen.

3.GERECHTIGKEIT UND MENSCHENRECHTE

  • Worin besteht die Gerechtigkeit?

Die Gerechtigkeit besteht im Anerkennen und Respektieren der Würde und der Rechte jeder Person und jedes Volkes, und in der Konsequenz jedem das zu geben, das ihm gebührt. Es ist nicht leicht die Rechte, die uns gebühren und den anderen zustehen, anzuerkennen. Deshalb fordert die Wiederherstellung der Gerechtigkeit -zusätzlich die Anstrengung von Außen, diplomatische militärische Art- eine große geistige Auseinandersetzung.

  • Was sagt die Religion

    zum Kampf um Gerechtigkeit?
Der Einsatz für Gerechtigkeit ist nicht nur erlaubt, er ist durch den Glauben an Gott gefordert.
1) Gott ist die Quelle und der Geber der Rechte für jeden Menschen. Daher ist es die Pflicht eines jeden Menschen, seine Rechte zu bewahren und die Rechte des anderen zu respektieren.
2) Andererseits, jede Religion lädt dazu ein, die Wahrheit anzuerkennen und zutun. Folglich heißt die Wahrheit anerkennen und tun, die Gerechtigkeit anerkennen und zu tun. Jeder einzelne muß die ganze Wahrheit über sich selbst und den anderen anerkennen und annehmen, sogar wenn sie Partei des Konfliktes sind.
Der Kampf für die Gerechtigkeit ist also eine Pflicht eines jeden Gläubigen. Kämpfen will sagen, die verschiedene legitime Mittel anzuwenden, um die Gerechtigkeit walten zu lassen. Man muß sich daran erinnern, daß die Gerechtigkeit allein nicht reicht; sie muß durch die Liebe und Barmherzigkeit vervollständigt werden, die mit der Wiederherstellung der Gerechtigkeit zu Vergebung und Versöhnung führen.

  • Welche sind die legitime Mittel für den Kampf

    zugunsten der Gerechtigkeit und des Respekts
    für die Menschenrechte ?
Um gegen der Ungerechtigkeit anzukämpfen, muß man „intelligente“ Mittel anwende, d.h. die wirklich dazu führen der Ungerechtigkeit ein Ende zu machen, und nicht für die Unterdrückten selbst, zu noch größerem Unglück führen.
Zu den legitimen Mitteln zählen: Verhandlungen auf der Ebene von politischen Verantwortlichen, der Dialog zwischen religiösen Oberhäuptern, Begegnungen und gemeinsame Aktionen der Friedensanhänger beider Seiten. Einmal mehr: die Gewalt kann nicht den aktuellen Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis lösen. Andere gewaltlose Mittel können eingesetzt werden, solche, wie Kundgebungen, eine objektive Information der öffentlichen lokalen und weltweiten Meinung, die diplomatische Tätigkeit, die lokales und weltweite Lobby, usw.

12.       Welche sind die wesentliche Bedingungen jeder Gerechtigkeit?
Um Gerechtigkeit zu erlangen ist Folgendes notwendig:
- daß die Herzen der Menschen vom Geist der Hochmut und der Herrschsucht gereinigt sind, daß sie nicht Gefangener egoistischer Interesse auf individueller oder nationaler Ebene sind;
- daß sie vom Zwang der Angst befreit sind;
- daß sie ein gegenseitiges Vertrauen haben und
wissen, daß die Gottesfurcht Quelle jeder Gerechtigkeit ist.
Schließlich muß das Prinzip des Dialogs und nicht das der Gewalt als Weg zu Gerechtigkeit angenommen werden.

  • Worin besteht die Gerechtigkeit

    zwischen Israelis und Palästinensern?
Zur Zeit bestehen die Israelis sehr stark auf die „Sicherheit“. Die Palästinenser verlangen die Sicherheit, das Recht der Rückkehr, die völlige Freiheit bis zur Möglichkeit, ihren unabhängigen Staat gründen zu können. Folglich heißt für Israelis wie Palästinenser Gerechtigkeit, gegenseitige Anerkennen der Menschenwürde, und aller Rechte des Anderen –politische, bürgerliche , religiöse– für die anderen.

4. DIE GEWALT

  •  Welche verschiedene Formen der Gewalt gibt es?

Unter Gewalt kann man jede Handlung verstehen, die einer menschliche Person oder einer Gemeinschaft einen schweren körperlichen oder seelischen Schaden verursacht. Sie kann verschieden Formen annehmen: Krieg, militärische Besetzung eines Landes, Landenteignung, bewaffneter Widerstand, Terror, Repressalien von seiten einer Regierung, Kollektivstrafen, usw. Die Schließung palästinensischen Gebiete, die Unruhen und Schwierigkeiten im Alltagsleben der Leute hervorrufen (Arbeit, Verpflegung, Erziehung, Krankenhausversorgung, familiäre Bindungen, Bewegungsfreiheit) ist ebenfalls eine Form der Gewalt. Andere übliche Formen der Gewalt im gegenwärtigen Konflikt sind: Menschen durch Gesten oder Worte zu demütigen, z.B. an den Kontrollpunkten, Menschen in die Knie zu zwingen oder mit Gesicht zur Wand stellen oder sie zu schlagen; Häuser aus den verschiedensten Gründer zu zerstören; zur Gewalt anleiten oder erziehen von seiten der Regierung in ihren Richtlinien für ihre Soldaten und Bürger, oder von seiten der Widerstandsbewegung bei ihren Anhängern; Bombardierung der Zivilbevölkerung, um die Militärs oder Krieger zu treffen oder zu entmutigen; Attentate organisieren; verleumden, Übles nachreden, falsche Informationen geben, die den Gegner verleumden. All das ist Gewalt.

  •  Was ist Terrorismus?

Terrorismus ist:
- Gewalt gegen eine dritte Partei, um Druck auf die befeindete Partei auszuüben, z.B. Geiselnahme von Personen, die keine direkte Verantwortung im Konflikt haben;
- Eine vom Staat oder von Gruppen ausgeübte Gewalt gegen Personen, die nicht am Konflikt beteiligt sind, obwohl sie zu einem Volk im Kriegszustand gehören: Seien es Kindern, Zivilisten, Kranken. Noch andere Beispiele: Die Bombardierung von Zivilisten, Kollektivstrafe, blinde Repressalien, Folter, Entführung von Menschen, Bestrafung von Eltern und Angehörigen anstelle der schuldigen Person, Attentate in der Reihen der Gegner, Attentaten auf den Straßen und öffentlichen Plätzen, usw.
Terrorismus ist unsinnig, irrational und um ein Konflikt zu lösen unannehmbar. Im Falle des Terrorismus gibt es zwei Schuldige: Zunächst die, die den Taten ausüben, die die sie anstiften und unterstützen, und zweitens die, die die Situationen der Ungerechtigkeit aufrechterhalten, die den Terror hervorrufen.

16.       Gibt es eine legitime Gewalt?
Die Gewalt muß das letzte Mittel sein, zu dem man Zuflucht nimmt, nachdem man alle andere Mittel vergeblich versucht hat. Nach der Lehre der Kirche ist die Zuflucht zum bewaffneten Kampf ein Extremfall, als aller letztes Heilmittel um eine offensichtliche und andauernde Tyrannei, ein Ende zu setzen, die folgenreich ein Verstoß gegen das Gemeinwohl bringen könnte.

  • Was ist das Prinzip von legitimer Verteidigung?

Die Liebe zu sich selbst bleibt ein Prinzip der Moral. Gott ist das Fundament der Menschenwürde und der Menschenrechte. Es ist daher legitim und notwendig dazu beizutragen, daß die Rechte des Menschen respektiert werden. Ebenso der Schutz der Schwachen und Armen, Opfern der Unterdrückung und Gewalt.
Wenn das Leben in Gefahr ist, ist der, der sein leben verteidigt, nicht eines Mordes schuldig, selbst wenn er gezwungen ist, seinem Angreifern den Todesstoß zu versetzen. Das Kriterium der Anwendung von Gewalt mißt sich an der Schwere der Gefahr, die das Leben bedroht. Im Gegensatz dazu ist es verboten eine größere Gewalt als nötig anzuwenden, selbst im Fall der berechtigten Verteidigung.

  • Kann man sich die Gewalt als

    Handlungsprinzip zu eigen machen?
Abgesehen vom Fall der legitimen Verteidigung, kann man sich keineswegs die Gewalt als normales Handlungsprinzip zu eigen machen. „Damit der Friede in eueren Herzen herrschen kann, müßt ihr vor allem jede Form des Hasses und Gewalt absagen. Die Gewalt bringt nur Gewalt hervor. Solange man fortfährt auf Gewalt mit Gewalt zu antworten, wird keine die Explosion dadurch aufhalten können.“ (Johannes Paulus II in Lesotho, Afrika am 15. September 1988).

19.       Welche sind die roten Linien,
     die sogar ein erlaubter bewaffneter
     Aufstand nie überschreiten darf ?
Die rote Linie ist all das, was wir als Terrorismus charakterisiert haben, (Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, N.2297).
„Man darf –weder für ein Verfassungsgewalt noch für eine aufrührerische Gruppe– die Zuflucht zu kriminellen Mitteln suchen, wie: Die üblichen Repressalien gegen die Bevölkerung, die Folter, die Methoden des Terrorismus .“ (Instruktion über christliche Freiheit und Befreiung N. 79). Wie wir es oben gesagt haben, kann man nur in Extremfall auf sie Gewalt zurückgreifen, um eine offensichtliche und andauernde Ungerechtigkeit zu beseitigen, die folgenreich ein Verstoß gegen das Gemeinwohl bringt.

 

5.  DIE ROLLE DER RELIGION

20.       Welche Rolle spielt die Religion

     im Konflikt und im Frieden?
Die Religion ist zunächst der Glaube an den Gott, Schöpfer des Universums und zweitens die Liebe zu allen Geschöpfe Gottes. „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all denen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.“ (Vgl. Lk.10,27; Lv. 18,19). Wahrhaftig, diese Liebe sollte im Einklang mit dem Recht aufs Selbstverteidigung und der Verteidigung der Würde jeder menschlichen Person stehen, wie das Zurückweisen jeglicher Form der Unterdrückung und Ungerechtigkeit.
Die Religion ist für die Leute und die Gläubigen die Erinnerung an die Vergangenheit. Sie ist auch Prophetie, d.h. eine Leuchte für die Gegenwart und die Zukunft. Der wirklich gläubiger Mensch läßt die Schwierigkeiten der Gegenwart hinter sich und stellt sich ihr gegenüber kraft seiner Verbindung mit Gott. Die Prophetie erleuchtet das Herz des Gläubigen, macht ihn fähig, das Geheimnis und den Willen Gottes hinter den gegenwärtigen Ereignissen zu erahnen, und erfüllt ihn mit einer Hoffnung, die ihm befähigt die momentane Schwierigkeiten zu übersteigen, ihre Ungerechtigkeiten, ihre Frustrationen und alle das, was ihm unmöglich zu sein scheint. Im Konfliktfall, ist die Religion eine Quelle der Hoffnung, die auf das Licht Gottes begründet ist.

  • Wie äußert sich Religion im Konflikt?

Im Orient durchdringt und belebt die Religion alle private und öffentliche Handlungsweisen. Alles geschieht im Namen Gottes. Alles beginnt und endet im Namen Gottes. Der Krieg beginnt im Namen Gottes und die Friedensabkommen ebenso. Daher können die Stimme, die Bestimmungen der religiösen Oberhäupter einerseits einen entscheidenden Einfluß auf die Gläubigen haben, andererseits können sie zum Krieg und zu Gewalt anstacheln oder zum Frieden einladen.
Religion verwandelt sich manchmal in religiöses Extremismus und zum Aufruf zur Gewalt, die bis zum Terrorismus führen kann bei der Verteidigung einer Kultur oder einer nationalen Identität. Manchmal kommt es auch vor, daß Politiker einen gewissen Aspekt einer Religion ausnutzen, um an ihre Ziele zu kommen. Es geschieht also, daß im Namen des gütigen und menschenliebenden Gottes Gewalttakten begangen werden, und daß man dabei dazu kommt, sich dem Tod im Namen Gottes zu begeben, der doch Quelle des Lebens ist.

22.       Warum bestehen wir auf der Radikalisierung religiöse Standpunkte?

Die Religion ist eine Zuflucht, die über menschliche Standpunkte und Begrenztheiten steht. Viele finden darin ein Instrument und Mittel, front gegen eine illegitime Herrschaft und einer zu ungerecht auferlegten Macht zu machen, die Ursache von Demütigung und Frustration sind. Die Religion wird als einziges Mittel angesehen, sich zu Befreien oder zumindest seine Rache an den Unterdrückern zu nehmen.
Die Ursachen dafür sind also einerseits die Dauer der Ungerechtigkeit im Bezug auf Völker und Menschen, das Verhältnis von Macht, die sich zwischen den Stärksten und Schwächsten einrichtet, der Materialismus der Technologie und die wirkliche oder scheinbare Unterdrückung geistiger Werte im „Staatsinteresse.“
Der religiöse Extremismus wird in diesem Falle als eine letzte Zuflucht angesehen, wenn die anderen Mittel, wie der bewaffnete oder friedlicher Kampf, die Verhandlungen usw., ausgeschöpft und fruchtlos geblieben sind.
Andere eventuelle Ursachen sind: Ein schlechtes Verständnis oder Deutung der Region, und manchmal sogar die ausdrückliche Manipulationen der Religion. Es ist relativ einfach die Massen durch das religiöse Gefühl zu fesseln und anzuspornen.
Der religiöse Extremismus verwandelt die Religion in ein merkwürdiges und ausschließliches Absolutes; es ist der Ersatz als Individuum oder Volk anstelle von Gott. Im Grunde sucht man unter dem Vorwand der Religion, bewußt oder unbewußt, seine eigenen Interessen als Individuum oder Volk durchzusetzen. Er weißt den Sinn der Geschichte zurück und reduziert ihn auf den gegenwärtigen Augenblick.

  • Stimmt es, daß Religionen

    die Menschen trennen und Kriege verursachen?
Das scheint einfach Wahr zu sein, wenn wir das Verhalten mancher Gläubigen heute beobachten oder im Laufe der vergangener Geschichte. In Wirklichkeit helfen die Religionen den Menschen sich unter einander und vor Gott zu einigen. Es ist nicht die Religion die Quelle von Diskriminierung, Streit und Krieg. Es sind vielmehr die Menschen selbst, die ihre Religion schlecht kennen oder davon einen schlechten Gebrauch machen.
24.       Kann der Klerus an einem „zulässigen“
     bewaffneten Kampf teilnehme?
Keinesfalls! Der Klerus hat sich eine Berufung gewählt, die im Gebet für Männer und Frauen besteht, um sie zum Guten zu führen und in ihren Herzen die Barmherzigkeit einzupflanzen. Seine Aufgabe ist es, die wahren Werte zu Verkünden und als Führer auf dem Weg, der zu ihnen führt dienen.
Der Politiker wählt die Aufgabe, die Anliegen des Landes zu leiten, das Militär wählt die Aufgabe die Sicherheit und die Würde der obenerwähnten zu verteidigen und dafür zu kämpfen. So sind in der menschlichen Gesellschaft die Aufgaben zahlreich und abwechslungsreich : Jeder Bürger erfüllt sie gemäß seiner Berufung und seiner Fähigkeit.
Was dabei die politische oder militärische Wirklichkeit angeht, muß der Klerus die Wahrheit verteidigen. Er hat die Verantwortung den Leuten zu helfen, ihre Rechte und Pflichten anzuerkennen und zu tun, was ihnen die Pflicht dem Vaterland gegenüber aufträgt und seinem vom Rechts wegen Vorgesetzten gehorchen, bezüglich dessen, was das Gemeinwohl betrifft. Das ist auch die Aufgabe für Männer der Religion, d.h. der Klerus, zu sprechen wenn es Unterdrückung gibt und die Stimme derer zu sein, die keine Stimme haben, und die Schwachen und Unterdrückten zu verteidigen.

  • Welche Rolle spielt die Kirche

    im Konfliktsfall?
Wenn die politische Macht, sei sie die nationale oder fremde, die Rechte eines Volkes oder einer bestimmten Gruppe von Menschen verletzt, muß die Kirche die Stimme erheben und jede ihr zustehende ergreifen, um die Schwachen und die Armen zu verteidigen. Auch wenn ihre Mitglieder im Konflikt der einer oder anderen Gruppe angehören, hat doch die Sorge für das Wohl beider Parteien zu tragen. Denn sie steht im Dienst der Menschen als solchen, so im Dienst aller. Sie erhebt die Stimme, um an das Recht zu erinnern und die Unterdrückten zu verteidigen, wer immer es auch sei.
Sie hat auch den Auftrag, Wege des Dialogs und der Versöhnung vorzuschlagen und alle betroffene Parteien dazu einzuladen.

  • Welche Rolle spielen die

    religiösen Oberhäupter im Heiligen Land?
Die Religion lädt die religiöse Oberhäupter ein:
i  - Die Schwachen und die Unterdrückten zu verteidigen;
ii - Die Menschen und Völker aufzurufen, mit Mut das anzuerkennen, was Recht ist, und es für sich und andere anzunehmen;
iii - Die Menschen auf den Weg des Friedens zu erziehen;
iv - Ein Dialog zwischen den verschiedenen Religionen aufrechterhalten, um soweit wie möglich, zu einer gemeinsamen Vision zu kommen, wie Gerechtigkeit und Frieden aufgebaut werden können.

  • Kann der Dialog zwischen den religiösen

    Oberhäupter des Heiligen Landes
    Einfluß auf den Frieden nehmen?
Da eine beachtliche Auswirkung ihrer Reden und Beispiele vorhanden ist, spielen die religiöse Oberhäupter eine Bestimmende Rolle bei der Bildung der öffentlichen Meinung. Diese können in ihrem Umkreis Auswirkungen auf die Wahl der politischen Verantwortlicher und auf ihre Wahlen und Programme des Handels haben. Daher würde ein Dialog zwischen den religiösen Oberhäupter der drei monotheistischen Religionen, der in einer gemeinsamen Vision über Gerechtigkeit und Frieden enden könnte, und in einer gemeinsamen Rede, die sich in diesem Sinne auf die Gläubigen richten würde, ein bedeutendes Gewicht auf den Friedensprozeß haben.
Ferner tragen wie oben schon erwähnt wurde, die religiösen Oberhäupter, die große Verantwortung, die Menschen zum Frieden zu Erziehen auf dem Weg des Mutes voranzugehen, um zu sehen, wie die Gerechtigkeit für den einen unzertrennlich mit der Gerechtigkeit für den anderen ist, um die Rechte und Würde des anderen anzuerkennen. Nur so wird der Aufruf zum Frieden und Versöhnung möglich werden.

6. VERSÖHNUNG; DAS VERZEIHEN
UND DIE FEINDESLIEBE

  • Was ist unser Platz in dieser Situation?

Der Konflikt ist uns aufgedrängt. Wir sind an ihm beteiligt sowohl als Bürger und als Christen. Unsere Reaktionen dürfen sowohl als Bürger als Christen dürfen keinen Widerspruch zulassen. Im Gegenteil, sie sollen sich ergänzen. Als Bürger machen wir ein Teil eines Volkes aus, das für seine Rechte kämpft. Als Christen bleiben wir Teil dieses Volkes, daß für seine Rechte kämpft. Noch mehr, wir haben eine besondere Vision: Gott ist es, der uns unseren Platz und unsere Berufung in der Geschichte gibt, die wir täglich mit all denen gestalten, die um uns herum sind. Gott ist unser Schöpfer. Er hat durch die Offenbarung zu uns gesprochen, um uns, uns selbst, sein. Unsere Rolle als Christen ist - angesichts der Realitäten manchmal grausam und hart anzunehmen - Zeugnis zu geben von dieser Gnade und vom Heil, das uns und jedem, der sich danach sehnt, angeboten wird, und mit allen, selbst mit den Feinden, auf der Grundlage dieser Vision von der Gnade Gottes und seines Heilsangebot an alle zu handeln.

  • Was erwartet Gott von uns in dieser Situation?

Gott erwartet von uns, daß wir handeln wie er, durch die Kraft seiner Gnade, und Instrumente des Heiles für alle denen seien, mit denen wir Beziehung haben. Er fordert uns, in sein Heilsplan für die ganze Menschheit einzutreten.
Er erwartet von uns, daß wir sein Bild und seine Würde in jedem menschlichen Wesen sehen. Denn alle sind seine Geschöpfe und seine Kinder. Er wacht über alle, „und er läßt seine sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er läßt regnen über Gerechten und Ungerechten“ (Mt.5,45). Wie sollen wissen, daß wir in einem Konfliktfall allein sind. Gott ist immer mit uns: Er ist der Immanuel; er ist immer da und lädt uns ein ihn nachzuahmen und den Blick anzunehmen, den er selbst für alle seine Kinder hegt.

  • Was heißt den Feind lieben?

Feind ist der, der eine andere Person in ihre Würde, ihre Rechte, ihre Ehre, ihren Leib und Hab und Gut angreift, verletzt und zerstört. Für Gott gibt es keinen Feind, nicht einmal die größten Sünder oder Übeltäter; Jeder Person ist Geschöpf, geschaffen nach seinem Bild, Gegenstand seiner Liebe, berufen zur Umkehr und zum Heil. Für den Christen, ist Gott das Model. Also für den Christen gilt nicht weniger, keiner ist Feind im wahrsten Sinne des Wortes. Das heißt, trotz jedem Bösen, zu dem ein menschliches Wesen fähig ist, bleibt er immer ein Geschöpf Gottes, sein Bild, geliebt von Ihm und Gegenstand seiner Vorsehung.

  • Den Feind zu lieben, heißt das machen lassen

    und sich der Ungerechtigkeit fügen?
Keineswegs! Einerseits behält der Feind trotz alle des Bösen, das er tut, für uns seine ganze Würde, die er von Gott erlangt. Andererseits, fordern wir – ganz in vollem Bewußtsein dieser Würde - von ihm, daß er all das Böse, daß er getan hat, wiedergutmacht, all dem Bösen, daß noch weiterhin beabsichtigt Einhalt gebietet. Außerdem die Augen dessen zu öffnen, der unser Gegner ist, und ihn auf den rechten Weg zu bringen, ist ein Werk der Befreiung in Hinblick auf ihn, damit er wahrhaft Geschöpf Gottes sein und ein echter Bruder für jedes menschliche Wesen.

  • Wie soll man einem Feind verzeihen,

    der uns schwer geschadet hat oder
    es noch weiterhin tut?
Verzeihen bedeutet nicht, uns darin zu fügen Beleidigung oder das Bösen anzunehmen, das uns zugefügt wurde. Das wäre eine Ungerechtigkeit bezüglich uns und wie auch dem Feind gegenüber. Verzeihung verwandelt das Böse nicht in Gutes: Der Mord bleibt ein Übel und ein Verbrechen, die Verletzung des Rechtes bleibt ein eine Verletzung und Übel , das man zurückweisen muß.
Verzeihen bedeutet zunächst: das Bild Gottes in unserem Gegner, und die Beständigkeit der Liebe Gottes zu ihn zu sehen. Zweitens bedeutet es: von ihm zu fordern, daß er die Beleidigung beseitigt, daß er das Böse wiedergutmacht und alle unsere Rechte wiederherstellt. Drittens bedeutet es: eine Läuterung der Seele vom Groll und Haß. Darin ahmen wir Christus nach, der denen vergeben hat, die ihn gekreuzigt haben, und Verzeihung und Feindesliebe empfohlen hat. Verzeihen bedeutet im Tiefsten in die große innere Auseinandersetzung zurückzukehren, die in der Reinigung der Seele, der Nachahmung Gottes, im Sehen aller Geschöpfe, wie Gott sie sieht, besteht. Dieser Kampf trifft das Geheimnis des Kampfes Christi selbst, das bedeutet in das Geheimnis des Kreuzes zurückzukehren. Das ist nicht allen gegeben, das zu verstehen. Jesus sagt: Wer fassen kann, fasse es.

  • Ist es wirklich möglich zu verzeihen?

Es ist schwierig zu vergeben. Wenn wir unserem Feind vergeben, lassen wir die Kraft des Kreuzes selbst wirken und wir arbeiten zusammen mit Christus für unser Heil und das unserer Brüder, selbst wenn sie unsere „Feinde“ sind. Genau das ist es, was Gott von uns fordert: Mitarbeiten, beim Öffnen das Heilsweges, für meinen „Feind“, durch meine Einstellung zum Verzeihen.
Groll und Haß in der Seele ist ein Fluch, der uns von Innen zerstört und werden zum Hindernis bei der Bekehrung des anderen. Was Gott will, ist, uns vom Bösen zu befreien, mich und meinen Gegnern. Das heißt um das Bösen zu Besiegen und in uns das Heil und die Befreiung zu schaffen, ist das Wort Gottes Fleisch geworden. Außerdem, reinigen Liebe und Verzeihen die Seele und erneuert dabei die Energie um beim Suchen nach Gerechtigkeit weiterzumachen.
Dieser Vision zu folge sagen wir, daß Verzeihung möglich ist. Es ist schwierig; es fordert eine große geistige Auseinandersetzung. Aber es bleibt möglich, denn es ist vor allem ein Geschenk und eine Gnade Gottes.

  • Also sollen wir es aufgeben,

    uns zu verteidigen; sollen wir uns gehen lassen?
Nein, wir sollen fortfahren zu kämpfe und uns mit allen legitimen Mitteln zu verteidigen. Von unseren „Feinden“ unsere Rechte zu beanspruchen, d.h. zu wollen, daß auch er sich wieder in einer Situation des Rechts befinde, befreit von seiner Ungerechtigkeit uns gegenüber. Unsere Rechte zu beanspruchen, bedeutet unsere Würde, daß heißt aber auch die Würde des Gegners zu verteidigen, und ihm zu helfen, zurückzukehren auf den Weg der Versöhnung und des Heiles.

  • Darf man Verzeihen ablehnen?

    Was bedeutet dann aber das Ablehnen
    von Verzeihung?
Die Zurückweisung von Verzeihung kann aus der Schwere der Verletzung oder der Verzweiflung der verletzten Person herrühren, die nur noch die Unmöglichkeit der Gerechtigkeit sieht. Das ergibt sich aus der Blindheit des Menschen, die unfähig ist über die eigene Menschlichkeit hinwegzusehen, um den gütigen barmherzigen und allmächtigen Gott in seinem Geheimnis zu betrachten. Das Verzeihen wissentlich zurückzuweisen ist ein geistlicher Selbstmord. Die Leiden sind im Plan Gottes eine Quelle der Reinigung und des geistlichen Wachstums. Verzeihen zurückzuweisen, heißt die ausgehaltenen Leiden unfruchtbar zu machen. Wenn das Verzeihen das Leiden in eine Quelle der Erlösung umkehrt, macht Schluß mit Mutlosigkeit und Verzweiflung, und erneuert die Kraft, um erneut die Gerechtigkeit zu suchen.

  • Was bedeutet sich versöhnen

    und welche sind die Bedingungen dafür?
Die Versöhnung beginnt dann, wenn die Unterdrückung beseitigt und die Gerechtigkeit wiederhergestellt ist. Die Versöhnung ist also eine Friedensbeziehung, die nicht mehr vom vergangenen Konflikt gezeichnet ist. Unter den grundlegenden Bedingungen laßt uns besonders betonen:
- die Wahrheit über den Konflikt ausfindig machen;
- die Schuld und wechselseitigen Verantwortlichkeiten zu nennen wagen, ihren Ursprung analysieren, ihren Zusammenhang und ihre Rangordnung;
- eine gegenseitige Anerkennung unserer wechselseitigen Identität unseres Seins und unserer Rechte zu erreichen;
- wiederherstellen, was zu wieder herzustellen ist;
- verzeihen und um Verzeihung bitten;
Wenn dieser Weg gemeinsam gemacht wird, ist unser neues Leben, in gegenseitigen Achtung angeboten.

  • Kann man über eine Spiritualität

    des Friedens sprechen?
Das christliche Leben ist eine fortdauernde Anstrengung, um am Guten festzuhalten, und an einem glaubwürdigen Gehen mit Gott und zu Gott und mit den anderen. Der Friede ist das Werk des Schöpfergottes, der das All in der Schönheit der Harmonie und der Einheit erschaffen hat. Er (der Friede) ist ebenfalls die große Verheißung Gottes in der Heilsgeschichte, jedesmal wenn sich sein Volk von ihm abwendet und in sein Untergang entgegen läuft. Der Friede ist überdies das große Geschenk der neuen Schöpfung, die ihre Quelle in der Auferstehung Christi hat.
Für die Gläubigen ist der Friede ein geistliches Bemühen im Herzen und der Seele in jedem Augenblick des alltäglichen Lebens, um dauernd in der Harmonie mit Gott und den anderen zu leben; das alles bleibt ein wesentlicher Teil beim Suchen aller Menschen guten Willens, um Gerechtigkeit und Frieden wiederherzustellen.
Eine Spiritualität des Friedens begründet sich also einerseits auf den inneren Frieden jedes Menschen, für Leib und Seele, und anderseits auf der Annahme des täglichen Eisatzes um den Frieden zu verwirklichen, der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit bedeutet, der zum Verzeihen und Versöhnung beiträgt.

7. EINE ZUKUNFTSVISION

  • Was ist unsere Vision von einem echten Frieden?

Jede Zukunftsvision in unserem Heiligen Land angesichts der Bedeutung der Religion in unseren Herzen und Leben, beruht an ersten Stelle auf einer geistlichen Erneuerung aller Religionen. Eine Erneuerung, die eine Läuterung des Herzen und des Geistes sein sollte - auf persönliche wie institutionelle Ebene – und die wahre Bedeutung der Religion entdecken lassen sollte, die in der Anbetung Gottes, der Achtung und Liebe zu allen seinen Geschöpfen und allen ihren Unterschieden besteht. Aufgrund dieser Vision können die Rechte eines jeden anerkannt und zurückgegeben werden. Wenn einmal die Rechte für alle anerkannt und tatsächlich wiederhergestellt sind, wird der wahre und endgültige Friede möglich sein.

  • Was könnte voraussichtliche

    die politische Lösung sein
Die Lösung wäre, wenn man den Palästinensern erlaubte, sich ihrer vollen Freiheit zu erfreuen, d.h. daß sie sich die politische Form geben könne, die sie wollen, bis hin zur Gründung eines unabhängigen Staates. So kann das Vertrauen geboren werden und sich weiterentwickeln, und jede Form von Gewalt und jede Zuflucht zur Macht von Staats wegen und von Widerstadsgruppen ein Ende nehmen. Wenn die Palästinenser sich ihrer Sicherheit erfreuen werden, werden auch die Israelis die Sicherheit haben, die sie sich so wünschen.

  • Welche Bedeutung und Rolle wird Jerusalem

    für den ganzen zukünftigen Frieden spielen?
Jerusalem hat eine zentrale und exemplarische Bedeutung für die Region und für die Welt. Gott hat ihr den Auftrag gegeben, eine Stadt der Begegnung Gottes mit der Menschheit zu sein, der Versöhnung mit Ihm und der Menschen und Völker unter einander, und ein weltweites Zeichen der Brüderlichkeit und des Friedens unter allen Völkern zu sein. Angeregt von einem wahren religiösen Geist, wird jeder Gläubige der drei monotheistischen Religionen dazu beitragen, damit diese Stadt wirklich so werde, wie Gott sie gewollt hat: ein Ort der Begegnung mit Gott, und in der Folge ein Ort der Befriedung der Herzen und Sinne und ein Ort der Versöhnung.

  • Wie soll die Jerusalemfrage gelöst werden?

Die Grundlage jeder Lösungen ist die Gleichheit der Bürger in ihren Rechten und Pflichten derart, daß keiner dem anderen überlegen sei, keiner dem anderen unterworfen oder in die Notwendigkeit versetzt werde, von anderen beschützt werden.

In Jerusalem gibt es zwei Völker: Palästinenser und Israelis, und drei Religionen: Judentum, Islam, Christentum. Jerusalem ist eine heilige Stadt. Sie hat durch diese Heiligkeit einen einmaligen Charakter, der sie von allen übrigen Städten der Welt unterscheidet. Daher kann sie in ihrem Status keiner anderen Stadt oder Hauptstadt der Welt ähnlich sein. Sie erfordert eine besonderes Statut, daß das Recht aller Einwohner und der drei Religionen garantiert, daß ihrem Charakter der Heiligkeit und ihrem eigenem kulturellen Charakter garantiert, als Ort abseits von Kriegen und Feindseligkeiten und den freien Zugang zu ihr für alle garantiert - Fremden und Feinden - in Friedenszeiten oder im Krieg.

Es steht den beiden interessierten Völkern zu - Israelis und Palästinensern - in Zusammenarbeit mit den betroffenen Religionen - Judentum, Christentum, Islam - dieses besondere Statut zu charakterisieren, und die Stadt gemäß diesem Statut zu verwalten. Die internationale Gemeinschaft ihrerseits, und die ganze Menschheit haben die Aufgabe den beiden Völkern zu helfen, diesen besonderen Status zu finden. Die Anerkennung dieses Status durch die internationale Gemeinschaft wird für sie eine Stabilitätsgarantie sein.
In den Rahmen dieses Sonderstatus kann Jerusalem „Hauptstadt“ für die beide bestehende Völker und die beiden Staaten sein, und so zur Wiege und zum Symbol gegenseitigen Anerkennung und der brüderlichen Koexistenz zwischen Palästinenser und Israelis werden. Sie wird auch Symbol und Quelle des Friedens für alle Völker der Region und der Erde werden.

  • Was ist die Stellung des Heiligen Stuhls

    bezüglich Jerusalems?
Der Heilige Stuhl unterscheidet, ohne sie von einander zu trennen, zwei Aspekten in der Jerusalemfrage: Der Konflikt über die Souveränität und der Bewahrung ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung. Was dabei den Souveränitätskonflikt betrifft, kommt es den beiden betroffenen Parteien zu - Israelis und Palästinensern - eine Lösung für diese Probleme zu finden. Der Heilige Stuhl sieht den Konflikt über die Souveränität als eine Rechtsfrage an, die durch die beiden betroffenen Parteien geregelt werden muß. Aber er behält sich auch das Recht vor, durch seine moralische Autorität, seine Meinung auszudrücken, um zu sagen, ob das Recht eingehalten wurde oder nicht, in den vorgelegten Lösungen. Er anerkennt außerdem, die Einstellung der internationaler Gemeinschaf und die Beschlüsse der Vereinten Nationen zu diesem Thema.
Was die religiöse und kulturelle Bedeutung betrifft, fordert der Heilige Stuhl, daß der Hauptteil der Stadt mit den Heiligen Orten und den menschlichen religiösen Gemeinschaften, die dort leben, in ihrer eigener Identität respektiert werden sollten, und daß die Rechte der Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit dort gesichert seien, sowohl für die Einwohner als auch für die Pilger der ganzen Welt. Daher ist – wie oben erwähnt (Frage  41) – ein besonderes Statut notwendig, das durch seine beiden Völker geschaffen und verwaltet wird, dann durch die internationale Gemeinschaft garantiert wird..

  • Was ist der Standpunkt der Ortskirche

    im Zusammenhang mit Jerusalem?
Der Standpunkt der Ortskirche über Jerusalem ist praktisch die gleiche, als der des Heiligen Stuhles. Was den Souveränitätskonflikt angeht, sollte die Souveränität unseren Gläubigen gewährt werden, da unsere Gläubigen ein Teil der Bewohner Jerusalems bilden, Bürger und also ein besonderer Teil des Konflikts sind, und da die Gläubigen auch Kirche sind , sagen wir, daß die beiden betroffenen Völker -Israelis und Palästinenser- in ihr in ihr gleich sein sollen in allen Rechten und Pflichten, damit ist die Souveränität gemeint. Alle Kirchen Jerusalems haben gemeinsam ihren Standpunkt über Jerusalem bestätigt , in dem gemeinsamen Memorandum vom 23. November 1994 über die Bedeutung Jerusalems für die Christen.

 

8. ABSCHLUß WÜNSCHE UND GEBET

44. Wem soll der Frieden nützen? Die Antwort scheint klar für die zu sein, die sich von menschlichen Werten- moralischen und geistigen – führen lassen. Sie ist nicht mehr klar für die, die vom politischen Ehrgeiz und durch den Geist der Herrschsucht beherrscht oder der Rache beherrscht sind.
Heute können weder Palästinenser noch Israelis ihre Kinder anschauen, ohne dabei von einer großen Angst vor der Zukunft gepackt zu werden.
Man kann sich in ein Ersatzfrieden flüchten, in die Besessenheit von Sicherheit. Ein Sicherheitssystem kann tyrannisch und sehr teuer werden. Weiterhin braucht den Feind um seine eigene Existenz zu rechtfertigen und die Ausgaben, die sich daraus ergeben. Die Sicherheit wird so zum Hindernis zum Frieden.
Sicherheit fordern, bevor man Bedingungen für Gerechtigkeit schafft, bedeutet außerhalb der menschlicher Realität zu denken und handeln. Jeder wird die Sicherheit erfahren, die er dem anderen gewährt haben wird..
Gewalt und der Geist der Gewaltsucht, auch sie verhindern den Frieden, weil sie eine andere Gewalt-tätigkeiten und Rachsucht hervorrufen.
In einer engen politischen Vision kann man aus der Gewaltspirale der Herrschsucht, der Ungerechtigkeit und der Gewalt nicht aussteigen. Wir müssen uns ernsthaft fragen, was unsere Region in 25 oder 50 Jahren sein wird. Wen man das Desinteresse bezüglich des Friedens sieht, dem man heute begegnet, braucht man nicht Pessimist sein, um eine Wüste von Friedhöfen und die Ruinen all dem, was heute gebaut wurde, vorauszusehen. Während das alles - im Gegenteil - eine Blüte der Entwicklung des Wohlseins und eines besseren Lebens für alle sein könnte, wenn die heutige Politiker, befreit von der Angst und egoistischen Interessen den Mut hätten, den Frieden durch Gerechtigkeit zu verwirklichen.
Allein ein gerechter Friede, verwirklicht durch den Dialog und gegenseitiges Vertrauen, wird Israelis und Palästinenser von der Angst vor der Zukunft befreien können. Der Friede ist nicht nur für die Mächtigen dieser Welt nützlich, die schon ein beschütztes wenn auch bedrohtes Leben haben, sondern auch für die Schwachen: Familien, Jugendliche, palästinensischen und israelischen Gemeinden, die das Leben jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt haben. Für sie ist der Friede nützlich und sie müssen ihn fordern.

45. Wir legen diesen Text, der ein Frucht gemeinsamer Überlegungen mit einer Gruppe von Theologen der Kirche Jerusalems ist, vor, als ein Beitrag zur Friedenserziehung, in einem Geist der Zusammenarbeit mit allen Menschen guten willen, damit dieser XX. Jahrhundert mit einer Lösung des Konflikts endet, in einer wahren Versöhnung, und damit das XXI. Jahrhundert mit einem Projekt der friedlichen Ko-existenz für alle Menschen im Heiligen Land, im Geiste des großen Jubiläums beginnt.
In einem Kommentar, der über das Projekt dieser Überlegungen gemacht wurde, steht geschrieben: „Die Überlegungen sind zu idealistisch und nicht auf unsere Realität im Heiligen Land anzuwenden, wo zwei Parteien in Konfrontation stehen, eine stark, Israel, das Militär-stärke und die öffentliche Meinung der Welt zur Verfü-gung hat, und die andere schwach und entwaffnet, das palästinensische Volk...“
Genau dafür, um eine menschliche Sackgassen ver-lassen zu können, ist eine Vision notwendig. Eine Vision, die alle Parteien ihrer wahren Dimension ls Geschöpfe Gottes gegenüberstellt und ihrer wahren Stärke, die in der Würde beruht, die Gott allen im gleichen Maße zugestanden hat. Mit Nachdruck sagen wir, daß man mit seinen Waffen Länder erobern und Völker unterdrücken kann, aber kann die Seele eines Volkes nicht töten, noch den Frieden erobern. Den Schwachen sagen wir: Du mußt die Hoffnung verlieren; die göttliche Würde in dir ist größer und stärker als alle menschliche Macht. Darüber hinaus, der Schlüssel zum Frieden liegt in deinen Händen ebenso in den Händen des Stärkeren....
Um zu dieser Vision zurückzukehren damit sie ein Bestandteil unseres Lebens wird, müssen wir auch mit Gott zusammenarbeiten, um mit Ihm den wahren Frieden zu bauen. Das Arbeiten für den Frieden und das Beten um Frieden gehen Hand in Hand, wie es gut diese schöne Gebet ausdrückt, das dem Heiligen Franziskus von Assisi zugeschriebene wird, das sich jede gläubige Monotheist und jede Gemeinschaften zu eigen machen kann:

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
daß ich liebe, wo man haßt;
daß ich verzeihe, wo man beleidigt;
daß ich verbinde, wo Streit ist;
daß ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
daß ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
daß ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
daß ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
daß ich Freude bringe, wo Kummer wohnt.
Herr, laß mich trachten,
nicht, daß ich getröstet werde, sondern daß ich tröste;
nicht, daß ich verstanden werde, sondern daß ich verstehe;
nicht, daß ich geliebt werde, sondern daß ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergißt, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehe;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Amen.

 

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