JORDANIEN – Seit 2014, seit dem Beginn des IS, ist Jordanien ein Hafen für Hunderttausende von irakischen Immigranten geworden. Das Lateinische Patriarchat hat die Türen seiner Pfarreien, Zentren und Schulen für mehr als 200 christliche Familien geöffnet und setzt weiterhin vielfältige Initiativen, um ihnen Aussichten für die Zukunft anzubieten.

Seit 2003 sind Gewalt und Instabilität im Irak beständig gewachsen und 2014 mit der Selbsternennung des Islamischen Staates noch gestiegen. Die Migrationsbewegung ist vor allem in Richtung Jordanien stärker geworden, das Land, das heute Hunderttausende von Irakern auf seinem Territorium willkommen heißt. Trotz der Bemühungen der jordanischen Regierung sicherzustellen, dass alle Flüchtlinge Zugang zu grundlegenden öffentlichen Diensten wie Bildung und Gesundheitsvorsorge haben, ist ihre Möglichkeit zu helfen erschöpft. Das Lateinische Patriarchat hat gemeinsam mit der Caritas Jordanien rasch ein Notprogramm eingerichtet und arbeitet jetzt daran, nachhaltigere Lösungen zu finden, indem sie humanitäre Hilfe für mehr als 11.000 vertriebene irakische Familien bereitstellen: Nahrung, Kleidung Unterkunft, Wasser, Gesundheitsvorsorge, Geld für Spitalsbehandlungen, Transport etc., aber auch, indem sie auf die Unterkunftsprobleme vieler Familien reagieren.

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Eine große Zahl kam im August 2014, und die 220 christlichen Flüchtlingsfamilien in Jordanien wurden zunächst in kirchlichen Einrichtungen untergebracht, in Räumen mit provisorischen Unterteilungen oder in Wohnwägen. Spartanische Bedingungen, die wenig oder keine Privatsphäre boten, bewogen das Lateinische Patriarchat, ein Programm einzurichten, das ihnen solide Unterkünfte anbot. Die Familien wurden in Appartements untergebracht, die das Patriarchat für ein Jahr mietete, um ihnen Zeit für andere Lösungen zu geben.

Bildung ist ein weiteres fundamentales Gebiet, für das das Patriarchat jede Anstrengung unternommen hat. „Die Kinder wurden vollständig und kostenlos von den Schulen des Patriachats betreut“, sagt Pater Imad Twal, der Generaladministrator des Patriarchats und selbst gebürtiger Jordanier. „Die Schule in Madaba hat zum Beispiel 62 Flüchtlingskinder aufgenommen. Die Caritas und unser Projektentwicklungsbüro arbeiten Hand in Hand an konkreten Lösungen. Genauso macht das unsere Solidarität als Kirche. Viele Sponsoren ermöglichen uns Tag für Tag diese Solidarität zu leben: die Ritter des Ordens vom Heiligen Grab, im Besonderen die Statthalterei Deutschland, genauso wie viele private Spenden von Menschen, die anonym bleiben wollen.“

Viele Aktivitäten und Ressourcen stehen den Flüchtlingen zur Neuausrichtung ihrer Leben zur Verfügung: spiritueller Rückzug, Eucharistie, Besuche, Spaziergänge, Konzerte mit christlicher Musik und Beratung für die, die es möchten. Zu Weihnachten werden die Kinder Geschenke bekommen und Gutscheine im Wert von 50 Dinar (ungefähr € 65.-) werden an 300 Familien ausgegeben.

2016-10-25-15-32-10-2Das Lateinische Patriarchat ermöglicht es auch, dass durch neue Jobs die Flüchtlinge wieder arbeiten können. „Wir beschäftigen jetzt zwei Iraker in der Betreuung der Kirchen, und vier Iraker wurden in unseren Pfarreien angestellt zusammen mit fünf Familien im ‚Our Lady Of Peace‘ Zentrum in Amman“, setzt Pater Twal fort. „Wir haben gerade eine Schule zur Herstellung von Mosaiken eröffnet, eine Schule, deren Name die Initialen des Patriarchats trägt, LPJ, was für Liebe, Frieden /Peace und Gerechtigkeit/Justice steht, in drei Worten, dem Herz unseres Programms.“ Sieben Familien profitieren von diesem exklusiven zweimonatigen Ausbildungsprogramm, jeder erhält 10 Dinar pro Tag als Unterhaltszahlung für diese Periode.

„Menschen in Not bitten nicht; es ist an uns, sie zu betreuen“, fügt Pater Twal hinzu. „Wir müssen über uns hinausgehen, die Grenzen unseres Herzens überschreiten, wie uns der Papst sagt, um den anderen zu berühren. Die Kirche muss dieses Zeugnis internationaler Brüderlichkeit und Gemeinschaft den Flüchtlingen gegenüber geben. Wenn wir nicht an sie denken, wer dann? Wie können wir behaupten, Gott zu lieben, ohne den Nächsten zu lieben?“ Bewegt erinnert der Priester an die jüngste Ankunft irakischer Familien, die vorher wohlhabend und gut situiert in ihrem Land waren und jetzt alles verloren haben. „Sie zogen es vor, ihren Glauben nicht zu leugnen. Sie zogen Christus allem anderen vor, obwohl das bedeutete, alles zu verlieren. Wenn wir nur so einen Glauben hätten!“

Vivien Laguette und Myriam Ambroselli

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