Franziskaner

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HEILIGES LAND – Vom 16.-18. Oktober 2017 feierten die Franziskaner in Anwesenheit von Kardinal Leonardo Sandri, dem Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, das 800-Jahr Jubiläum, Wächter des Heiligen Landes zu sein und der lokalen christlichen Gemeinde zu dienen.

Der Hl. Franziskus trifft Sultan Malik Al-Kamil: eine Nation des interreligiösen Dialogs

Es war 1217. Der erste Franziskaner Mönch setzte unter Vater Elia von Cortona für das Heilige Land seine Segel und kam in Akkon an. Währenddessen fand der fünfte Kreuzzug statt, in der Hoffnung Jerusalem zurückzugewinnen und den Rest des Heiligen Landes von der Herrschaft von Ayyubid Sultan Mailiak Al-Kamil zu befreien. Sankt Franziskus traf sich mit ihm in Damietta, Ägypten.

In der „Historia Orientalis“ erzählt Bischof Jacques de Vitry die Ereignisse, welche den risikoreichen Besuch des Hl. Franziskus bei dem Sultan begleiteten. Es war eine Begegnung von ein paar Tagen, in denen „der Sultan und seine Anhängerschaft aufmerksam den Predigten Christus zuhörten.“  Auch wenn es risikoreich war, es zeigt die Courage und Offenheit zum Dialog. Gleichzeitig war die Bereitschaft zum Zuhören auf der Seite des Sultans nötig.

800 Jahre später kann man noch immer eine Parallele zwischen diesem Treffen und dem von Papst Franziskus ziehen. Während seiner Rede in der Al-Azhar Konferenz im April 2017 bat der Papst, der Franziskus als seinen Namen wählte, um eine Fürbitte des Heiligen von Assisi für eine neue Gesellschaft des Friedens und der Begegnungen.

Mission der Franziskanermönche: mehr als nur Wächter des Heiligen Landes

Das pastorale Dienst und die soziale Unterstützung waren schon immer die zentralen Aufgaben der Mission der Kirche. Heute betreuen die Franziskaner und die Kustodie des Heiligen Landes 25 Gemeinden und verwalten Pfarreinrichtungen, Heime für Ältere, Studentenwohnheime und andere christliche Einrichtungen. Darüber hinaus und als Teil dieses Dienstes werden in 15 Terra Santa Schulen mehr als 10.000 Schülern verschiedener christlicher Konfessionen und Religionen im Heiligen Land und im Libanon unterrichtet.

Im August 2016 hatte das israelische Ministerium für Bildung sie als eine der besten im Land bewertet. Basierend auf der erzieherischen und sozialen Komponente lagen zwei französische Schulen, die Terra Santa Schule in Akkon und die Französischen Schwestern in Nazareth, auf Platz eins und zwei.

„Ich bestärke Sie darin, sich um die Erziehung von jungen Menschen zu bemühen, welche oft Gefahr laufen, die Hoffnung zu verlieren in einer Umgebung, die noch ohne Frieden ist“, schreibt Papst Franziskus in einem Brief an Francesco Patton, dem Kustos des Heiligen Landes, aus Anlass des Jubiläums.

Kardinal Sandri „Restaurierungsarbeiten ermöglichen prophetische Schritte auf dem Weg zur Gemeinschaft“

Als Wächter des Heiligen Landes seit 1342 hütet die Kustodie der Franziskaner derzeit 50 Schreine im Heiligen Land. Seit dem Staus Quo von 1852 waren die Franziskaner die Hauptvertreter des Lateinischen Ritus im Rahmen dieser Vereinbarung. Die Vereinbarung, die die Aufteilung der Heiligen Stätten reglementiert, um Streitigkeiten bezüglich des Nutzens und des Eigentums zu regulieren, hatte jedoch oftmals notwendige Korrekturen an den fragilen Bedingungen der Kirchen verzögert.

Unter den Heiligen Stätten, die der Status Quo betrifft und die die Kustodie gemeinsam mit anderen Kirchen verwaltet, sind die Grabeskirche und die Geburtskirche.

In den vergangenen fünf Jahren arbeiteten die Franziskaner jedoch mit der griechisch orthodoxen und der armenisch orthodoxen Kirche in einer beispiellosen Aktion zusammen zur Restaurierung der wichtigsten heiligen Stätten der Christen. Während Restaurationen in der Geburtskirche noch immer andauern, wurde das renovierte Grab Jesu im März 2017 in einer ökumenischen Zeremonie eingeweiht, an der die verschiedenen Kirchen in Jerusalem und die des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus, teilnahmen.

In seiner Eröffnungsrede zum 800-Jahr Jubiläum beschreibt Kardinal Sandri die eindrucksvollen Restaurierungen an beiden Kirchen mit den Worten als „ermutigende weitere prophetische Schritte auf dem Weg zur Gemeinschaft, wie es das Gebet von  Papst Franziskus bei seinem Besuch 2014 ausdruckt“

Die nächsten 800 Jahre

Während der letzten 800 Jahre lösten die Franziskaner viele Probleme, die aus verschiedenen politischen und sozialen Umständen entstanden waren. Heutzutage ist die Kustodie, wie auch andere christliche Kirchen und Institutionen, mit der immer geringer werdenden Zahl von Gläubigen konfrontiert, welche ihr Heimatland verlassen oder verlassen müssen wegen Kriegen, Verfolgungen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Zudem beeinflusst noch heute eine weitere Gruppe von Schwierigkeiten und negativen Einstellungen, obwohl nicht so deutlich, die christliche Gemeinde im Heiligen Land. Ein Beispiel ist die Meinung, dass die Kirche grenzenlose materielle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung hat und Menschen sich berechtigt zur Hilfe fühlen, die die Kirche ihnen gibt, aus dem einzigen Grund, weil sie einer bestimmten Konfession angehören.

Angesichts dieser Herausforderungen ermutigt Kardinal Sandri die Franziskaner, ihre Mission fortzuführen als „Jünger Christi, die in Brüderlichkeit zusammenleben, die mit ihrem einfachen, armen franziskanischen Leben Zeugen des Evangeliums sind.“

Wie die Feiern dieses Jahr die Reise dieser Mönche markieren, die ihr Leben für die lebendigen Steine und Pilger gaben und noch immer geben, und auch ihr Hüten der Orte, an denen das Wort Gottes entstanden ist, so kann man sich nur auf die kommenden 800 Jahre freuen, wenn die Franziskaner weiterhin Zeugen von Glauben, Brüderlichkeit und Frieden sind.

Saher Kawas

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