DEUTSCHLAND – In seiner Rede am 100. Katholikentag in Leipzig am 28. Mai2016 sprach Patriarch Fouad Twal über die Situation im Heiligen Land, die israelisch-palästinensische Frage, ihre internationalen Konsequenzen und die Aufgaben der Kirche im Herzen des Konfliktes.

Dieses Jahr war Patriarch Twal bei den Ehrengästen des 100. Katholikentages in Leipzig, Deutschland. Ein Tag, der jedes zweite Jahr vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken organisiert wird, das Teilnehmer zu verschiedenen Foren, Konferenzen, Ausstellungen Konzerten und Gottesdiensten einlädt, um über religiöse Themen zu reflektieren, aber auch über gegenwärtige politische Herausforderungen in der Welt.

In seiner Rede sprach der Lateinische Patriarch über die „Hoffnungslosigkeit“, die aus der gegenwärtigen Situation im Heiligen Land entstanden ist, und den Stillstand, in dem der israelisch-palästinensische Konflikt gefangen ist. Viele Menschen hören schon die Totenglocke für das „Begräbnis der Zwei-Staaten-Lösung“ wegen der palästinensischen Inkompetenz auf der einen Seite und der israelischen Arroganz auf der anderen, sagte der Patriarch.

Der Patriarch sprach von der Besetzung, die die Palästinenser der Menschenrechte beraubt – Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung – eine zerstörerische Situation „für die Besetzer und die Besetzten“, weil sie eine endlose Spirale der Gewalt, des „Widerstandes“ und der Vergeltung nährt. Er fügte hinzu: „Die israelischen Führer haben es erfolgreich geschafft, die Besetzung Palästina als Teil des Krieges gegen den Terrorismus darzustellen.“ Gleichzeitig lobte er aber auch „mutige israelische Schriftsteller, die ihr Land so lieben, dass sie kritisch über eine ungerechte Regierung, Militärpolitik und Aktionen schreiben“.

Kolonisation ist der Stolperstein im Konflikt: „In der Westbank ist es Palästinensern in 60% der Fälle verboten, eine Farm aufzubauen, eine Fabrik zu errichten oder sogar auf ihrem eigenen Land zu arbeiten wegen der Ausdehnung der Siedlungen“, sagte der Patriarch, und bedauerte gleichzeitig die Inaktivität der internationalen Gemeinschaft, was die die fortgesetzte illegale Kolonisation betrifft.

Angesichts dieser Sackgasse „muss Europa eine entscheidende Rolle spielen“, sagte der Patriarch, einschließlich des Einhaltens von internationalem Recht, ohne Angst und Gunst.“

„Im Jahr der Barmherzigkeit“, sprach der Patriarch mit Überzeugung am Ende seiner Rede, „sind die Christen im Heiligen Land aufgerufen, weiterhin zu hoffen, wo keine Hoffnung ist“, und beide Seiten, Israelis und Palästinenser, müssen „anfangen, sich auf die Wahrheit und die Versöhnung hin zu bewegen, in einem Prozess wechselseitiger Vergebung und der Anerkennung der jeweiligen Rechtmäßigkeit“. Der Patriarch betonte die zentrale Bedeutung der Erziehung für den Aufbau einer neuen Gesellschaft, in der Schullehrpläne und Textbücher auf beiden Seiten geändert werden müssen um der gegenseitigen Akzeptanz willen“. Eine neue Gesellschaft, in der die „Kirchen des Heiligen Landes mit ihren vielen Institutionen, Schulen Spitälern, Universitäten beitragen müssen zur Schaffung einer neuen Mentalität und einer neuen Generationen von Anführern“.

„Jerusalem muss eine Stadt der Verehrung und Versöhnung sein…in der Juden, Christen und Moslems die Freiheit genießen sollen, ihre heiligen Stätten zu erreichen“, sagte der Bischof von Jerusalem, bevor er endete, „Es braucht mehr Mut, Frieden zu machen als Krieg. Jesus sagte: „Frieden hinterlasse ich euch, meinem Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht“ (Joh 14:27). Mit diesen Worten können wir weiterhin hoffen“.

Myriam Ambroselli

Fotos: Archiv ©LPJ/Thomas Charrière

Designed and Powered by YH Design Studios - www.yh-designstudios.com © 2017 All Rights Reserved
X